• City Lights: "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" - "Dreizehn Stühle" - "Blutige Erdbeeren"

Kultur : City Lights: "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" - "Dreizehn Stühle" - "Blutige Erdbeeren"

Frank Noack

Im September 1962 gab Bette Davis, verärgert über das schwache Rollenangebot für Frauen ihres Alters (54), eine Anzeige auf: "Mutter von drei Kindern, geschieden, dreißig Jahre Erfahrung als Filmschauspielerin, sucht regelmäßige Beschäftigung in Hollywood". Kurz nach dieser höchst unkonventionellen Aktion hatte Robert Aldrichs Horrorfilm Was geschah wirklich mit Baby Jane? Premiere, der sich wider Erwarten zu einem der größten Erfolge des Jahrzehnts entwickelte. Niemand rechnete damit, dass zwei "alte Schachteln" wie Davis und Joan Crawford (offiziell 54, in Wirklichkeit schon 58) in einem kleinen Schwarzweißfilm so viele Zuschauer anlocken könnten (Freitag im Filmtheater am Friedrichshain, Sonntag im Delphi, Montag im Thalia Babelsberg).

Baby Jane (Davis) ist ein in die Jahre gekommener Kinderstar, der seinen Alterungsprozess mit dicker Schminke zu kaschieren versucht. Jane lebt zurückgezogen mit ihrer gelähmten Schwester Blanche (Crawford), die sie erbarmungslos terrorisiert. Ungebetene Besucher werden von Jane mit dem Hammer erschlagen. Eine Freak-Show für Schadenfrohe - und zugleich eine Hommage an zwei überragende Hollywood-Diven, die selbst hier noch ihre Würde bewahren. Man darf bezweifeln, dass die derzeitige Travestie-Show in der Berliner Ufa-Fabrik den ambivalenten Reiz von Aldrichs Film erfassen wird.

Die beiden haben sich nicht nur in ihren Rollen bekämpft. Bevor jene Szene gedreht wurde, in der Jane die bewusstlose Blanche durchs Zimmer schleift, band sich Joan Crawford heimlich Gewichte um den Körper. Und als Bette Davis ihren Oscar an Anne Bancroft verlor, war es "zufällig" Crawford, die anstelle der abwesenden Siegerin auf die Bühne schritt.

Während Bette Davis den Hammer schwang, bewaffneten sich Heinz Rühmann und Hans Moser mit Messern, um Dreizehn Stühle aufzuschlitzen. Diese dreizehn Stühle hat Rühmann geerbt und von Trödelhändler Moser verkaufen lassen; zu spät erfährt er, dass in einen der Stühle ein Vermögen eingenäht worden ist. Jetzt gilt es, die Beute zurückzuholen. Der Stoff ist unzählige Male verfilmt worden. E. W. Emos Adaption aus dem Jahr 1938 ist die gewagteste: unverhohlen anarchische, destruktive Komik im Stil der Marx-Brothers war im NS-Film nicht unbedingt die Regel (Sonnabend im Filmmuseum Potsdam).

Dreißig Jahre später konnte sogar ein konservatives Studio wie MGM einen Film über Studentenunruhen herausbringen, der uneingeschränkt mit den Studenten sympathisiert. Blutige Erdbeeren (1970) wagt einen Stil-Mischmasch aus message picture, Komödie, Musical und Tragödie. An den US-Kinokassen durchgefallen, erlangte Stuart Hagmanns Film in der DDR Kultstatus. Und er wirft einmal mehr die Frage auf, warum es aus deutschen Landen nichts Vergleichbares gibt. (Freitag und Sonnabend im Filmmuseum Potsdam, Freitag im Kino Kiste.)

Wer mehr auf Eleganz und Glamour steht, kommt im Haus Ungarn auf seine Kosten. Am Sonnabend wird hier um 20 Uhr die Ausstellung "Leuchtende Sterne" eröffnet, die an ungarische Filmschauspieler im Berlin der 20er und 30er Jahre erinnert - von Lya de Putti bis Marika Rökk. Nach dem Empfang wird im Balász der Operettenfilm Ball im Savoy (1934) mit Gitta Alpar gezeigt.

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