CITY Lights : Western aus der Puszta

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Unter wessen Regie haben die Marx Brothers ihr Chaos angerichtet? Wer hat W.C. Fields geführt und wer Karl Valentin? Die Regisseure der Comedy-Klassiker sind irrelevant, ihre Inszenierung ist oft hausbacken theaterhaft. Dass ein lustiger Film mehr bieten kann als die übliche Sitcom-Ästhetik, beweist die britische Komikertruppe Monty Python. Sie bot deftige Gags und grandiose Bilder. Für letztere war Terry Gilliam zuständig, der die 1969 gestartete BBC-Serie „Monty Python’s Flying Circus“ mit durchgeknallten Animationssequenzen versah. Im letzten Oktober wurde der 40. Geburtstag der Truppe gefeiert, mit einer Veranstaltung in der Londoner Royal Albert Hall. Diese Feier wurde filmisch festgehalten: Not the Messiah (He's a Very Naughty Boy) ist nur heute um 20 Uhr 30 in der Astor Film Lounge zu sehen. Die Feier verdeutlicht einmal mehr die Kurzlebigkeit von Filmkomikern. Als einziges Mitglied der Monty Python hat der bald 70-jährige Terry Gilliam seinen Status bewahrt, und auch eher als tapferer Außenseiter.

Der Durchbruch von Miklos Jancso liegt ebenfalls 40 Jahre zurück. Der 1921 geborene Jancso war der Repräsentant des ungarischen Kinos – eine Rolle, die er an Istvan Szabo abgeben musste. Seine Spezialität war die Verbindung von politischen Themen mit idyllischen Bildern. Er bevorzugte lange Einstellungen; deswegen dauerten bei ihm die Proben länger als die Dreharbeiten. Ein Jancso-Film besteht in der Regel nur aus 10 bis 20 Einstellungen. Sein Einfluss auf Regisseure wie Gaspar Noé und Alexander Sokurov ist unverkennbar. Jancso ist immer noch aktiv, doch seine Festivalerfolge liegen lange zurück. 1986 fand sein Berlinale-Beitrag „L’aube“ keine Beachtung.

Die politische Ambivalenz seiner Filme hat sie gut altern lassen. Es wird nie ganz klar, ob er sich wirklich für Inhalte interessiert oder es einfach nur genießt, die Puszta so majestätisch einzufangen wie John Ford das Monument Valley. Das Brotfabrik-Kino widmet ihm nun eine Retrospektive. Am Anfang steht Jancsos fünfter Langfilm Die Männer in der Todesschanze, der ihm 1965 in Cannes zum Durchbruch verhalf (heute bis So). Er schildert, wie österreichische Soldaten 1848 ungarische Partisanen gefangen nehmen, verhören, foltern und töten. Widerstand ist zwecklos. Man konnte in der Geschichte Parallelen zum Ungarnaufstand von 1956 sehen. Bezeichnenderweise lautete der erste deutsche Verleihtitel „Die Hoffnungslosen“.

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