Kultur : City Lights

Silvia Hallensleben

"Grüße aus der Weltstadt Berlin" heißt es auf Postkarten, die in den Souvenirläden ausliegen. Minderwertigkeitskomplexe nannte man das einmal früher. Kurz, bevor demnächst Hubertus Siegerts aktuelle hauptstadt-kritische Berlin-Impression "Berlin Babylon" in die Kinos kommt, lassen sich jetzt noch einmal zwei Filme miteinander vergleichen, die mit ganz unterschiedlichem Ansatz das Phänomen Großstadt Berlin visuell umsetzen.

Während Walther Ruttmanns Berlin - Die Sinfonie der Großstadt (1927) ein paar Jahre nach Metropolis hochkomplex konstruiert im Großstadt-Pathos schwelgt, präsentiert Robert Siodmaks nach einem Buch von Billy Wilder, Edgar G. Ulmer und Fred Zinnemann entstandener Film "Menschen am Sonntag" (1929) in beiläufiger halbdokumentarischer Manier großstädtische Freizeitvergnügen zwischen Strandbad und Picknick, Rumlümmeln und Liebe. Natürlich ist hier noch Sommer. Im Babylon-Mitte am Samstag und Sonntag. Am Samstag spielt Jürgen Kurz an der Kinoorgel. Die rekonstruierte Fassung von "Menschen am Sonntag" am Sonntag wird mit der eigens komponierten Kinomusik der Komponistin Elena Kats-Chenin aufgeführt.

Ganz schlicht "City Lights" heißt auch Chaplins Klassiker Lichter der Großstadt im Original, der hier schon deswegen erwähnt werden soll, da er dieser Kolumne freundlicherweise den Titel geliehen hat. Der noch stumm gedrehte "Menschen am Sonntag" war bei seinem Kinostart 1930 schon von Tonfilmen umzingelt. Auch Chaplin hat seinen Klassiker 1931 ganz bewusst zwar mit Musik und Geräuschen, doch ohne Dialoge realisiert. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch (Donnerstag bis Sonntag im Filmmuseum Potsdam).

"Frauen, die die Welt verändern", nennen die Kreuzberger Eiszeitler eine kleine Reihe, die den hart kämpfenden Heroinnen des asiatischen Kinos gewidmet ist. Nun, die Welt vielleicht doch nicht, das Kino aber schon. Denn schon lange vor Ang Lees "Tiger and Dragon" wirbelten in China auf Bühne und Leinwand die Schwertkämpferinnen und Kung-Fu-Girls durch die Lüfte. So ist die androgyne Heldin in Peking Opera Blues (1986) keine Invention des Regisseurs Tsui Hark, sondern verweist auf Jahrzehnte chinesischer Filmgeschichte. Und Johnnie Tos The Heroic Trio (1993), der mit Maggie Cheung, Anita Mui und Michelle Yeoh drei der weiblichen Hongkong-Action-Stars in einer hochartistischen Performance vereinigt, ist neben einer abenteuerlichen Stuntshow auch augenzwinkenderndes Zitaten-Kino. "The Heroic Trio" zeigt, wie aus reinem Kommerz herrlich unbekümmertes Unterhaltungskino entstehen kann (im Eiszeit-Kino von Sonntag bis Mittwoch "Peking Opera Blues" bzw. Montag bis Mittwoch "The Heroic Trio").

Von der Weltstadt Hongkong hinaus ins All. Zum Beispiel in der langen Nacht der Wissenschaften. Da können Sie nämlich im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt eine Reise durch unser Planetensystem machen und dabei "die schönsten Bilder aus unserem Sonnensystem in einer Großprojektion" betrachten, mit "Teleskop-Bildern per Live-Schaltung via Internet". Richtiges Kino ist das natürlich nicht mehr. Aber durchs Netz ins All doch eine durchaus ernstzunehmende Zukunfts-Freizeit-Alternative.

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