Kultur : City-Lights

Frank Noack

Noch nie hatte ein europäischer Nachwuchsregisseur so einflussreiche Gönner wie der 29-jährige Spanier Alejandro Amenábar. Die berühmte Nicole Kidman engagierte ihn für "The Others" (siehe nebenstehende Kritik), den ihr noch berühmterer damaliger Ehemann Tom Cruise mitproduzierte. Und der neueste Film mit Cruise, "Vanilla Sky" ist - höflich ausgedrückt - ein werktreues Remake von Amenábars Abre los ojos (Öffne die Augen). Dieser stilvolle Thriller über eine Persönlichkeitsspaltung, 1998 auf der Berlinale im Panorama gezeigt, kommt, zeitgleich mit "Vanilla Sky", in zwei Wochen wieder ins Kino - und kann bereits vorab, Sonnabend und Sonntag, in der Filmbühne am Steinplatz begutachtet werden. Vor allem Penelope Cruz, die neue Lebensgefährtin von Tom Cruise, verdient es, im spanischen Originalfilm von möglichst vielen Zuschauern gesehen zu werden. Denn Hollywood hat der zierlichen Spanierin bislang eher Schaden zugefügt. In ihren US-Filmen wirkt Cruz hölzern und manchmal sogar unattraktiv. Dagegen lässt sie in "Abre los ojos" mit jedem Auftritt die Leinwand erstrahlen. Offenbar benötigt sie ihre Muttersprache, um entspannt vor der Kamera agieren zu können.

Ein roter Faden im Werk von Amenábar ist das Doppelgängermotiv: Eduardo Noriega und Fele Martinez, die Hauptdarsteller aus "Abre los ojos", sorgen auch in Tesis durch ihre Ähnlichkeit für Verwirrung. Wieder ist Noriega der Draufgänger und Martinez der Brave. Amenábars erster Langfilm, 1986 im Berlinale-Panorama vorgestellt, handelt von einer jungen Akademikerin (Ana Torrent), die Gewalt in den Medien studiert und zu ihrem Entsetzen feststellen muss, dass ein sadistischer Mörder zu ihrem Bekanntenkreis gehört (der Film läuft heute und morgen in der Filmbühne am Steinplatz, ebenso wie "Abre los ojos" im Original mit englischen Untertiteln).

Die meisten so genannten Kultregisseure verschwinden schnell wieder wie Peter Greenaway, oder sie werden uninteressant wie John Waters. Eine Ausnahme ist da David Lynch. Seit über 20 Jahren dreht er Filme, die eine feste Fangemeinde anziehen. Höhepunkt seines Werks dürfte nach wie vor Blue Velvet (1986) sein. Dieses düstere Märchen enthält die üblichen Lynch-Einfälle, aber es gibt einen Schauspieler, der den Rahmen sprengt und sich nicht zur skurrilen Marionette degradieren lässt: Dennis Hopper als Frank Booth. Die niederschmetternd obszönen Flüche, mit denen er Isabella Rossellini traktiert, gehen auch in der deutschen Fassung unter die Haut, für die Joachim Kerzel Hopper die Stimme lieh (Donnerstag und Mittwoch im Acud).

Und was ist - Stichwort Kult - aus David Cronenberg geworden? Der Kanadier war einer der herausragenden Regisseure der achtziger Jahre ("Scanners", "Videodrome"), doch trotz seines Berlinale-Erfolgs mit "eXistenZ" (1999) ist er ein wenig in Vergessenheit geraten. Das Babylon Mitte zeigt am Montag und am Mittwoch Crash, einen bizarren Ensemblefilm, in dem gelangweilte Großstädter zur Steigerung ihrer Lust andere Wagen rammen und von der Autobahn abdrängen. Dafür gab es 1996 in Cannes den Spezialpreis der Jury, allerdings auch Kopfschütteln. Cronenberg übertreibt es manchmal mit dem Abgründigen und bewegt sich hart an der Grenze zur Selbstparodie. Doch Figuren wie ihn hat das Kino der Gegenwart nötiger denn je (Montag und Mittwoch im Babylon Mitte).

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