Kultur : City Lights

Frank Noack

Deutschland konnte in den letzten Jahren bei den Oscars nur mit Kurzfilmen punkten. Doch trotz der Erfolge von Pepe Danquart und Florian Gallenberger werden Kurzfilme nicht ganz ernst genommen. Dabei sind sie genauso professionell gemacht wie Langfilme, das sieht man nicht nur am oft langen Abspann. Das Filmkunst 66 präsentiert am Freitag und Sonntag sechs Nachwuchs-Arbeiten: Dazu gehören Felix Randaus Nachbarschafts-Story Siemensstadt, Marc Malzes phantastische Komödie Who is Who um einen schüchternen Akupunkteur (Victor Schefé), und Ulrike von Ribbecks Am See erzählt von einem kuriosen Familienausflug.

Auch Episodenfilme sind, erzähltechnisch, Kurzfilme - nur eben hintereinander weg. Mit Decameron begann Pier Pasolini 1970 seine "Trilogie des Lebens", die damals von der Kritik als kommerziell, ja pornografisch abgestraft wurde. Dabei hat Pasolini die acht Episoden aus Boccaccios Novellensammlung genauso sperrig inszeniert wie seine "seriösen" Arbeiten. Mit dokumentarischem Blick beobachtet er seine Figuren - derber Humor, viel nackte Haut und so manche Zahnlücke in Großaufnahme inklusive (Freitag und Sonnabend im Babylon Mitte).

Wegen seines Themas wurde auch Gustav Machatys Extase (1933) unterschätzt. Die 1914 geborene Hedwig Kiesler, die 1938 als Hedy Lamarr in Hollywood Furore machte, spielt in dieser tschechischen Produktion die Frau eines impotenten Alten, die beim Nacktbaden - die Szene wurde aus den meisten Kopien geschnitten - von einem Studenten überrascht wird. Eine einfache Dreiecksgeschichte mit exzessivem Stilwillen (heute im Arsenal).

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