Kultur : City Lights

Silvia Hallensleben

Seit seinen Anfängen gibt es das Kinoerlebnis im Doppelpack - mit Varieté, mit Kulturfilm und Werbung bis hin zu Jazzklängen, Theater und Text. Die Filmvorführung mit Diskussion ist dabei die klassisch-protestantische Variante: erst der Bildgenuss, dann das klärende Wort. Jetzt haben ein paar einfallsreiche Leute, die sich "Hammer und Amboss" nennen, noch einen drauf gesetzt. "Kino & Hörspiel" heißt ihre Idee - Filme mit den Diskussions-Mitschnitten gleich dabei. Zu viel Konserve? Da hilft dann nur noch das Gespräch zum Gespräch zum Film.

Den Anfang der wöchentlichen Reihe macht Lars von Triers "Breaking the Waves" in abendlicher Gemeinschaft mit Sterntaler meets Breaking the Waves von Konstanze Hanitzsch. In Sachen Film eine gute Wahl: Schließlich ist von Triers exaltierte Hingebungs-Liebesgeschichte auch ohne debattierendes Gegenüber Anlass genug, um in der Zuschauerin affirmative Empathie mit vernünftelnder Distanzierung in verstörenden Widerstreit zu bringen. Zu sehen - und zu hören - am Donnerstag im Acud, anschließend selbstverständlich Gespräch mit der Autorin des Hörspiels.

Liebe, Opfer, Gnade: Lange bevor der zum Katholizismus konvertierte Lars von Trier seine Version der Himmelfahrt auf die Leinwand brachte, hat Roberto Rossellini die Spanne von Liebe, Hingabe und Tod ebenso grundkatholisch, doch viel düsterer ausgelotet. In Viaggio in Italia bricht das Metaphysische über eine profane Ehe herein. Dabei wird der Zwiestreit zwischen Ratio und Sinnlichkeit aus unserem Inneren heraus als zentraler Konflikt auf die Leinwand projiziert. "Kleider"-Menschen nannte der Regisseur seine sehr britischen Protagonisten, die er samt Edellimousine versuchsweise unter "Toga"-Menschen und südlicher Sonne aussetzt. Nekropolengruften, ausgegrabene Pompeijaner und laue Sommernächte tun das ihre. Doch "Viaggio in Italia" ist viel mehr als ein plattes kulturphilosophisches Lehrstück: ein wunderschöner, trostreicher und trauriger Film über das Wunderbare und das Grauen des Lebens selbst. Der Film endet, wie auch "Breaking the Waves", mit einer fast mythischen Wendung. Am Sonntag ist er im Arsenal zu sehen: An den anderen Tagen der Woche hält sich das Kino im Filmhaus am Potsdamer Platz an die bodenständigeren Klassiker des neorealistischen Kinos.

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