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City West : Heute wird das Waldorf Astoria eröffnet

03.01.2013 09:47 Uhrvon
Kompletter West-Ost-Überblick. Blick in die Präsidentensuite des Waldorf Astoria Hotels.Bild vergrößern
Kompletter West-Ost-Überblick. Blick in die Präsidentensuite des Waldorf Astoria Hotels. - Waldorf Astoria

Hochhäuser in der City West waren lange umstritten. Es wurde vor einer "Verzwergung" von Berliner Wahrzeichen wie der Gedächtniskirche gewarnt. Heute öffnet am Zoo nun das neue Luxushotel Waldorf Astoria.

Eine moderne City ohne Hochhäuser kann sich offenbar niemand mehr vorstellen. Warum eigentlich? Hochhäuser gelten als Sinnbild der Moderne. Und dass er nicht modern sei, will sich kein Städter vorwerfen lassen. Deshalb müssen Hochhäuser sein. Hilfreich ist natürlich, dass der wirtschaftliche Druck durch die Investoren die Gebäude wie durch eine immanente Hydraulik in die Höhe treibt. So kommt es, dass es keiner Anstrengungen bedarf, Hochhäuser zu ermöglichen, sondern dass es für ein Gemeinsam mühsamer ist, sie zu verhindern.

In Charlottenburg, in der City West, gibt es seit langem hinhaltenden Widerstand gegen Hochhäuser.

Vielleicht weil das Gefühl vorherrscht, dass dort die vor 120 Jahren fünfgeschossig geprägte Stadt absolut in Ordnung ist, dass sie urban ist, lebenswert, charmant, von Anwohnern und Beschäftigten geschätzt, und dass größere strukturelle Veränderungen negative Folgen haben könnten. Es muss doch etwas bedeuten, dass sich Touristen vorzugsweise dort aufhalten, wo keine Hochhäuser stehen, ob in Madrid, Mailand, London, Paris oder eben in Berlin.

Als der Berliner Senat sich 1997 in einer „Hochhausverträglichkeitsstudie“ Gedanken über das Höhenwachstum rings um die Gedächtniskirche machte, signalisierte schon der Titel den Disput. Das Ergebnis der Studie war kein städtebaulicher Idealentwurf, sondern eine Reaktion auf reale Grundstücksverhältnisse und Investorenwünsche, eine Verwaltung des Machbaren, eine Reaktion auf die Zufälligkeiten der faktischen Zwänge. So geht Stadtplanung? Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler ersann die Hochhausvisionen für die City West im Auftrag des damaligen Bausenators Jürgen Klemann (CDU). Man kann nur hoffen, dass bald jemand „stillgestanden!“ ruft, wenn sich die Hochhauskohorte anschickt, nach Westen Richtung Fasanenstraße weiterzumarschieren. Vorerst steht die Front an der Joachimsthaler Straße. Die Pläne für das „Zoofenster“-Hochhaus gegenüber dem Bahnhof Zoo, in dem am heutigen Donnerstag das Fünfsternehotel Waldorf Astoria eröffnet, stammen von eben jenem Christoph Mäckler.

Gestartet war das Bauvorhaben Anfang der neunziger Jahre mit dem Projekt des britischen Architekten Richard Rogers, für das 1993 eine Baugenehmigung erteilt wurde. Doch der technizistische Stahl- und Glas-Turm kam nicht aus der Baugrube. Mehrfach wechselten Eigentümer und Investoren. 1998 wurde Mäckler mit der Planung betraut, das Investorengeschacher ging weiter und so dauerte es anderthalb Jahrzehnte, bis die verbretterte Baulücke aus dem Stadtbild getilgt war.

Er steht ja ganz gut da, der 118 Meter hohe, kantige Hotelturm, der ein wenig die zwanziger Jahre zitiert, Walter Gropius’ Entwurf für den Chicago Tribune Tower von 1922 etwa. Er steht immer irgendwie im Blickfeld, von der Kantstraße her, von der Budapester Straße her. Blickt man vom Tauentzien herüber, überragt er die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, was ihm viele übel nehmen. Von „Verzwergung“ des Berliner Wahrzeichens ist die Rede, was überzogen erscheint. So manche Perspektive freilich lässt sich nicht mehr mit der Kirche als städtebaulicher Dominante fotografieren, insbesondere nicht, wenn künftig auch Christoph Langhofs Hochhaus an der Kantstraße noch näher an die Westberliner Bauikone heranrücken wird.

Doch das Zoofenster ist nicht nur der Turm, es ist auch die komplette Blockbebauung, aus der der Turm herauswächst. Sie ist Stadtreparatur, Lückenschließung im besseren Sinne, nimmt die Fluchten und die Höhenzüge auf, hat an den richtigen Stellen Arkaden, Ladenfronten, Restauration, kurzum, sie kommuniziert mit dem urbanen Umfeld und bereichert es. Das Romanische Café, benannt nach dem früher am Ort des heutigen Europacenters befindlichen legendären Etablissement, nimmt die Ecke zum Breitscheidplatz ein und kann mit 60 Freisitzen an der Südseite aufwarten.

Christoph Mäckler engagiert sich seit Jahren für die „rematerialisierte Moderne“, wie er es nannte. Das heißt, er will der abstrahierten, ätherischen, entmaterialisierten Moderne wieder Kraft und Präsenz, Solidität und Dauerhaftigkeit geben. Zum Beispiel durch solides Fassadenmaterial, eine Kalksteinfassade, die nicht wie heute üblich aus vorgehängten Steintapeten, sondern aus ordentlich vermörtelten Steintafeln besteht. Beim Zoofenster sind unterschiedliche Steinoberflächen, aber auch unterschiedliche Fensterformate dazu benutzt, die spannungsreiche Baukörperkomposition zu pointieren, die sich aus Sockelbau, Nebentürmen und Hauptturm wie eine Plastik von Wotruba oder Malewitsch arrangiert. Am Turmkopf dann das „Zoofenster“, sieben voll verglaste Geschosse, in denen die Suiten untergebracht sind.

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