Kultur : Claus Peymann bleibt am Berliner Ensemble

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Claus Peymann will das Berliner Ensemble nun doch bis zu seinem regulären Vertragsende im Juli 2007 leiten. Nach einem seit längerem geforderten Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit teilte er dies gestern den BEMitarbeitern per Aushang mit. Peymann hatte wegen der seiner Meinung nach unklaren finanziellen Zukunft des Theaters mit einem vorzeitigem Abggang zum 31. Juli 2004 gedroht. „Im Vertrauen auf die glaubhaften Ausführungen des ,Regierenden‘ habe ich mich heute entschieden, das BE und Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht im Stich zu lassen und meinen rechtmäßig bestehenden Vertrag bis 31. Juli 2007 nicht vorzeitig aufzukündigen“, erklärte er. „Den Kampf für den Fortbestand unseres Theaters und die Fortführung unserer gemeinsamen Arbeit wollen wir mit Optimismus und Fantasie gewinnen – notfalls auch als Guerilla-Kämpfer!“

In dem einstündigen Gespräch schilderte er Wowereit die finanzielle Zukunft des Theaters. Peymann wies darauf hin, dass er mit Hilfe von Rücklagen die Spielzeit 2004/2005 gerade noch überstehen könne. „Danach droht – wenn sich nichts ändert – der Crash.“ Wowereit habe ihm seine „außerordentliche Wertschätzung für unser Theater“ versichert. Für ihn sei das BE unverzichtbarer Bestandteil und ein Mittelpunkt des Berliner Kulturlebens. „Meine persönliche Arbeit als künstlerischer Leiter möchte er unter allen Umständen bis zum Ende meiner Vertragsverlängerung fortgesetzt wissen. Peymann erinnerte Wowereit an den „großen Publikumsansturm“ der vergangenen Jahre am BE und den hohen Eigenfinanzierungsanteil in Höhe von 22 Prozent. Außerdem hat das BE über 600000 Euro Tariferhöhungen selbst auffangen müssen.

Der 66-jährige Theaterleiter, der vom Wiener Burgtheater gekommen war, ist seit 1999 Chef des BE. Noch zum Ende der vergangenen Spielzeit hatte er gedroht, das Land Berlin wegen Vertragsbruchs zu verklagen, wenn ihm die zugesagten Lottomittel von rund 2 Millionen Euro zusätzlich zu seinem Etat (10,6 Millionen Euro) nicht mehr gewährt würden. Immer wieder hatte er auf ein Gespräch mit Wowereit gedrängt. „Ich bin schneller beim Schröder als bei unserem Bürgermeister“, klagte Peymann und forderte: „Stoppt die Theaterkiller!“ Tsp/dpa

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