Kultur : Claus Peymann: Klatsche (Glosse)

Rüdiger Schaper

Hurra, wir leben noch! Wir sind alle wieder da. Die Bude füllt sich. Die neue Kasperltheater-Saison hat begonnen. Da kommt auch schon das Krokodil. Und der Gendarm. Und die Großmutter. Und die Gretel. Guten Taaaag!! Das Krokodil, das ist die Theaterkritik. Und das Berliner Kasperl heißt Claus Peymann. Das ist der Theaterdirektor mit der lautesten Klatsche. Peymann zeigt sich in bestechender Frühform. Sieben Kritiker haben in Theater heute, dem Fachorgan des deutschsprachigen Kasperltheaters, Peymanns Start am Berliner Ensemble als "ärgerlichste Theatererfahrung" des Jahres genannt. Sieben Nominierungen in der Negativ-Rubrik der Theaterhitparade 2000 - eine magische Zahl, absoluter Rekord, seit Menschengedenken. Da hüpft dem Kasperl das Herz. Endlich wieder Presse, und sei es eine solch unglaubliche Majestätsbeleidigung. Endlich Anerkennung, egal wie. Fröhlich klatscht der Claqueur in eigener Sache zurück - und bedankt sich bei den Krokodilen, die er in Wahrheit für verschnarchte, in Frank Castorf vernarrte Großmütter und für Gendarmen hält, die kleinlich Strafzettel für falsches Parken von Tabori- und Thomas-Bernhard-Stücken schreiben. Endlich scheint die Welt wieder in Ordnung, wie damals in Wien. Kasperl, der Anarchist, der "Reißzahn im Regierungsviertel" (Peymann), umstellt von Feinden, in seiner neuen Burg am Schiffbauerdamm. Bravo! Glücklich auch die Kritiker, die ihr Leben im ewigen Zwiespalt von o.k. und k.o. fristen und nie sicher wissen, ob sie überhaupt jemand liest. Der Sommer ist vorbei, der Vorhang offen. Es darf wieder geklatscht werden. Gern auch unter Niveau.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben