Clément Layes in den Sophiensälen : Als das Träumen auf die Bühne kam

Frei nach Hitchcock: Choreograf Clément Layes will mit „Dreamed Apparatus“ in den Berliner Sophiensälen das Träumen auf die Bühne bringen.

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Wisch und weg: Traum im Raum in "Dreamed Apparatus".
Wisch und weg: Traum im Raum in "Dreamed Apparatus".Foto: Clement Layes/Sophiensaele

Hitchcock-Kenner sind hier klar im Vorteil. Der französische Choreograf Clément Layes will mit „Dreamed Apparatus“ das Träumen auf die Bühne bringen und verweist dabei auf das Kino als Traumfabrik. Ein Zottelmonster, das zwei Lautsprecher über die Bühne bewegt, spielt dem Publikum wiederholt kurze Ausschnitte aus dem Film „Spellbound“ vor, für den Salvador Dalí die Traumsequenz entwarf. Bei der unheimlichen Filmmusik von Miklós Rósza bekommt man auch heute noch Gänsehaut. Dann sind Bruchstücke der Dialoge zu hören, in denen Gregory Peck als Dr. Edwardes von seinem Traum erzählt. Auch die Stimme von Ingrid Bergman ist zu erkennen.

Im Kopf des Hitch-Experten spielt sich sogleich ein Film ab: Er erinnert sich an die Spielhölle und den Mann mit der riesigen Schere, der den Vorhang mit den Augen zerschneidet. Und grübelt wie Dr. Edwardes über die verborgenen Bedeutungen nach. Erklärt doch der Analytiker Dr. Brulov seinem Patienten: „This is plain ordinary wishful dreaming“. Während der Cineast so seinen Vorstellungen nachhängt, verpasst er nicht viel. Denn die sechs Akteure sind keine Traumfänger, sondern Traumputzer. Während einer mit einem seltsamen Apparat weiße Linien auf den Boden zeichnet, gezackt oder geschwungen, machen sich die anderen daran, die Spuren mit dem Besen zu beseitigen. Auch wenn die Performer mit einem ganzen Arsenal an Putzutensilien anrücken, lässt sich der Zeichen-Impuls doch nicht unterdrücken.

Anstatt der Fantasie seiner Tänzer freien Lauf zu lassen, degradiert Clément Layes seine Darsteller zur öden Putzkolonne. Nach gut 40 Minuten ist der Spuk vorbei. So was wird in den Sophiensälen als abendfüllende Veranstaltung deklariert. Der Traum als Schlüssel der Kreativität, davon ist in „Dreamed Apparatus“ nichts zu sehen. Wer den unbewussten Wünschen nachspüren möchte, kann sich ja noch mal „Spellbound“ anschauen.
Weitere Vorstellungen am 26. und 27. April, 20 Uhr.

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