Club Transmediale : Zeitlos

Manchmal lässt sich gar nicht entscheiden, was Absicht ist und wann nur die Software streikt. Die Technikprobleme zu Beginn des Sets von SND sind nicht die ersten beim Club Transmediale, wo das Powerbook fast gleichwertiger Akteur neben dem DJ ist.

Kolja Reichert

Das Chemnitzer Elektroniklabel Raster Noton, das den Abend in der Maria am Ostbahnhof bestreitet, hat mit dem Genre Clicks & Cuts ein Genre geprägt, das Störgeräusche zum Programm erhebt. Die monotonen metallenen Klangschlaufen, die sich schließlich herausschälen, enttäuschen, bleibt das Set doch weit hinter der Spannung zurück, die zuvor Frank Bretschneider erzeugt hat: Knacken und Spratzen wie von einem ewigen Zündvorgang, Rauschen und Klacken wie von der Suche nach einem Funksignal, und gekoppelt an das Klanggeschehen formen auf den Leinwänden weiße Pixel Wurmlöcher und galaktische Räume, Mandalas des Informationszeitalters.

Ansonsten wurde mit der Ankündigung eines neuartigen visuellen Konzepts zu viel versprochen. Carsten Nicolai alias Alva Noto pflegt mit der Projektion seiner Plug-in-Schaltkreise einen anachronistischen Technikkult und öffnet auch klanglich keine neuen Räume. Im minimalistischen Elektro von Byetone dagegen hat jedes Element Bedeutung. Byetone präsentiert überdies die stärkste visuelle Symbolik für eine Musik, die den Takt der Technik preist: weiß auf schwarz zählen große Lettern die Sekunden des Gigs ab.

Kein Rechts, kein Links, kein Versprechen, keine Erfüllung – nur das Verstreichen der Zeit unter dem Zähler der Maschine. 

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