Cohens Filmklamauk : "Wir sind Brüno!"

Etwas Schöneres konnte den österreichischen Medien wohl kaum passieren: Da kommt der Sommer, die nachrichtenarme Zeit also, und ausgerechnet an dem Tag, an dem sich das österreichische Parlament und mit ihm die Regierung in die Ferien verabschiedet, startet weltweit ein Film, der von einem Österreicher handelt.

Markus Huber
Brueno
Brüno. Wirbt Wien bald mit ihm? -Foto: dpa

Etwas Schöneres konnte den österreichischen Medien wohl kaum passieren: Da kommt der Sommer, die nachrichtenarme Zeit also, und ausgerechnet an dem Tag, an dem sich das österreichische Parlament und mit ihm die Regierung in die Ferien verabschiedet, startet weltweit ein Film, der von einem Österreicher handelt.

Okay, der Österreicher ist in Wahrheit der britische Hardcore-Komiker Sacha Baron Cohen, und die Figur die er in seinem Film „Brüno“ ins Kino trägt, stammt jetzt auch nicht unbedingt vom Reißbrett der österreichischen Fremdenverkehrswerbung, sondern sie ist ein schriller Schwuler. Aber trotzdem: Thema ist Thema, und darum wird die Brüno-Story in diesen Tagen in den österreichischen Medien weichgeklopft wie sonst nur – Achtung Fremdenverkehrswerbung! – das berühmte Wiener Schnitzel.

Der Boulevard organisiert Brüno- Look-A-Like-Castings, die Qualitätspresse erinnert daran, wie seinerzeit Kasachstan auf Cohens erste Fake-Figur Borat reagiert hat. Eine katholische Tageszeitung interviewt einen TV- Journalisten, der seinerseits Brüno interviewt und sich dabei angeblich mit Bravour geschlagen hat. Außerdem werden reale Vorbilder für Cohens fiktive Figur gesucht. Platz eins auf der Shortlist belegt derzeit der Entertainer Alfons Haider, weil er erstens TV-Moderator und zweitens erklärtermaßen schwul ist.

Aber irgendwie bleibt die Sache trotz des medialen Hypes halbgar: Ist Brüno jetzt reiner Klamauk, oder doch Provokation? Besonders entlarvend war da die Wiener Tageszeitung „Der Standard“, der auf das Cover seiner Freitags-Beilage „Wir sind Brüno! Die österreichische Nabelschau zum Filmstart“ schrieb. Illustriert war die knappe Geschichte mit absurden Fotomontagen, bei denen die Köpfe österreichischer Regierungsmitglieder sowie Persönlichkeiten der Society auf die Körper schrill bekleideter Drag-Queens drapiert waren. Das sollte wohl frech sein und provozieren – bloß wen?

Anders als bei Cohens ersten Film „Borat“, durch den sich die kasachische Regierung genötigt sah, mit einer Imageoffensive gegen das Bild des rückständigen, antisemitischen Landes zu steuern, gibt es zu „Brüno“ keine Stellungnahmen des offiziellen Österreichs. Aus humoristischen Gründen wäre es zwar lustig, wenn Bundeskanzler Werner Faymann darauf hinwiese, dass es in seinem Land keine vertrottelten Modejournalisten gäbe und dass das Image von Brüno gar nichts mit der österreichischen Realität zu tun habe – aber abgesehen von einigen deutschen Brachialkomikern glaubt das ohnehin wohl kaum jemand, der den Film gesehen hat.

In einem anderen Interview beeilt sich deshalb der Chef von Wien Tourismus, Norbert Kettner, darauf hinzuweisen, dass es für den Tourismus in Österreich „sicher schädlichere Dinge als diesen Film gibt“. Dass Wien dank Brüno zu einem Mekka für Gay-Tourismus wird, glaubt Kettner indes nicht: „Wir sind Wien, nicht Mykonos. Wien ist zwar nach London die zweitbeliebteste Städtedestination der deutschen Gay-Community, aber zu uns kommen vor allem schwule und lesbische Paare mit sehr hohem Einkommen, die sich für Kultur interessieren.“

Doch das hat mit Brüno, Sommerloch hin oder her, wohl eher wenig zu tun.

Markus Huber

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