Kultur : Collagen des Urbanen

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Die Entwicklung von Herbert Kaufmanns Werk ist über rund vierzig Jahre nachvollziehbar, denn sie zeichnet sich durch Geradlinigkeit und Kontinuität aus. Obgleich ihr unterschiedliche, ja fast konträre kunsthistorische Positionen zugrunde liegen, erscheinen sie in subjektiver Brechung auf einen gemeinsamen, individuellen Nenner gebracht.

Kaufmann, der 1924 in Aachen geboren und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet wurde, malte in den fünfziger Jahren im Stile des Informel: Seine Gemälde "Materialinkrustation" (9000 Mark) oder "Eruptiv" (25 000 Mark) sind in graubraunen bis graublauen Farben gehalten und weisen landschaftlich anmutende, pastose Horizontalstrukturen auf. Seit Beginn der sechziger Jahre hat sich Kaufmann dann jedoch der Collage als durchgängigem ästhetischen Prinzip verschrieben. Als Material verwendet er Zeitungen oder Illustrierte und greift in ihrer Verarbeitung Elemente von Nouveau Réalisme und Pop Art auf. Kaufmann ist, wie er sagt, "von der Erkenntnis ausgegangen, dass wir im Zeitalter der totalen Kommunikation leben".

Collagen wie "Mit rotem Ei" oder "Imaginopolis" von 1961 (beide jeweils 25 000 Mark) bestehen aus einer Fülle gedrucktem, meist fotografischem Bildmaterial. Ausgeschnitten und randlos nebeneinander geklebt, ergeben sich in der Komposition immer wieder dichte, vornehmlich waagerecht ausgerichtete Strukturen - ein urbanes, chaotisches All-over. Mit dem "Sternbild" von 1966 (35 000 Mark) folgt dann eine Serie mit durch Übermalung verschleierten Titelblättern des "Stern". Die Zeitschrift ist für den Künstler allerdings weniger Markenzeichen, sondern steht für "Funk, Satelliten, elektronische Nachrichtenübermittlung schlechthin".

Nachdem Kaufmann einige Jahre die Collage mit Aquatec-Farben ins Malerische übersetzt und in seinen "Hommagen an Litfass" auch Säulen in dieser Art bemalt hat, wendet er sich seit 1977 wieder der reinen Collagetechnik zu. Jetzt stehen Kartonagen und Wellpappen im Zentrum. Ausgerissen und platt gepresst, von Gebrauchsspuren gezeichnet, ergeben sie ein Mosaik, das manchmal an Tarnmuster erinnert, zwischen deren Kanten und Ecken massenmediale Bild- oder Textreste als gleichsam durchbrechender Untergrund durchscheinen. Mit Farbe überzogen und durch Terpentin wieder gereinigt, erscheinen Risse und Reliefstrukturen der Kartons hervorgehoben.

Kaufmanns Collagen nehmen die heutige Medienflut und Informationshektik in ihrer massenhaften Gleichzeitigkeit mit Distanz wahr. Dennoch streben sie weder surreale-verfremdende noch sozialkritisch-anklagende Effekte an. Eher schon zeichnen sich die perfekt aus verbrauchtem Alltagsmaterial komponierten Bilder, die durch Vergilben eine gewisse Patina angesetzt haben, durch Noblesse und Melancholie aus. Eva Poll ehrt den seit 1967 bis zu seiner Pension an der Berliner Hochschule der Künste lehrenden und seitdem in Düsseldorf lebenden Künstler mit dieser Ausstellung zu seinem 75. Geburtstag. Wie schon vor zehn Jahren heißt sie wieder: "Prinzip Collage". MICHAEL NUNGESSER

Galerie Eva Poll, Lützowplatz 7, bis 20. Januar; Montag 10-13 Uhr, Dienstag bis Freitag 11-18.30 Uhr, Sonnaband 11-15 Uhr. Katalog in Vorbereitung.

(Zusammenfassung) Potsdams Theaterneubau endgültig besiegelt - Bis 2003 fertig

Potsdam (/bb) - Der seit Jahren immer wieder aufgeschobene Potsdamer Theaterneubau ist endgültig beschlossene Sache. Die Stadtverordneten segneten am Mittwoch mit eindeutiger Mehrheit die Rahmenbedingungen für den Bau in der Schiffbauergasse am Tiefen See ab. "Das ist ein Jahrhundertprojekt und eine Erfolg versprechende Investition in Potsdams Zukunft", sagte Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD). Für das Haus, das im März 2003 bezugsfertig sein soll, sind rund 50 Millionen Mark veranschlagt.

Kurz vor dem 50. Geburtstag des Potsdamer Hans Otto Theaters am 16. Oktober begrüßte die Geschäftsführung der Bühne diese "wunderbare Entscheidung". "Das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk, aber nun warten wir, dass wir dieses Geschenk auch auspacken können", sagte Astrid Kühne, Referentin der Geschäftsführung, der dpa. Schließlich habe es schon mehrere Anläufe für einen Theaterneubau gegeben.

Nach dem Abriss des Theaterrohbaus auf dem Alten Markt nach der Wende hatte es zwei Projekte für einen Neubau des Hans Otto Theaters in der Schiffbauergasse gegeben. Das Gelände unweit der Glienicker Brücke war einst Kasernenstandort der Garde du Corps Husaren, dem Leibregiment des Kaisers. Später wurde es teilweise als Gaswerk und bis 1992 von russischem Militär genutzt. Auf dem Areal haben sich einige Kultureinrichtungen angesiedelt. Am 7. Juli hatten die Stadtverordneten beschlossen, dort den Theaterneubau zu errichten.

Die Geschichte des Hans Otto Theaters begann am 16. Oktober 1949: Damals war das ehemalige Tanzlokal "Zum Alten Fritz" in der Zimmerstraße als Brandenburgisches Landestheater mit der Premiere von Goethes "Faust I" eröffnet worden. Seinen heutigen Namen nach dem Schauspieler und Kommunisten Hans Otto erhielt die Bühne drei Jahre später. Otto wurde 1933 von den Nazis verhaftet. Während eines Verhörs war er vermutlich aus einem Fenster gestoßen und so getötet worden. Sein 50-jähriges Bestehen wird das Theater am 16. Oktober mit einer Festveranstaltung feiern.

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