Kultur : Comeback

Das Goethe-Institut zieht Jahresbilanz.

NANO steht über der Landkarte neben Goethe-Chef Klaus-Dieter Lehmann. Das Kürzel steht für Naher Osten und Nordafrika, die Länder des arabischen Frühlings. Dort ist das Institut zurzeit besonders aktiv und hat Gelder von regulären Projekten für Ägypten oder Tunesien abgezogen, wie am Wochenende für eine Konferenz in der „Tahrir Lounge“ in Kairo. Die hatte das Goethe-Institut in den Tagen der Revolution eingerichtet, als Refugium für die Aktivisten des Umbruchs.

NANO steht auch im Zentrum der Jahrespressekonferenz in Berlin, auf der Goethe Bilanz zieht. Lehmann dankt den Parlamentariern und dem Auswärtigen Amt, die dem Institut als einer der wenigen staatlichen Einrichtungen die Budgetierung erlaubten, sprich: das freie Schalten und Walten mit dem 332-Millionen-EuroBudget, das zu zwei Dritteln vom Bund kommt. Keine festgezurrten Einzelposten, nur so kann Goethe mit seinen 150 Instituten in 93 Ländern schnell und flexibel auf die Weltlage reagieren. So berichtet Regionalleiterin Gabriele Becker von einer geplanten Recherchereise für mögliche Goethe-Projekte in Libyen und kann sogar für Syrien Perspektiven skizzieren. Noch agiert der dortige Goethe-Leiter von Beirut aus und fährt jede Woche mit einem alten Mercedes nach Damaskus. Aber seit Oktober laufen wieder Deutschkurse, die Bibliothek ist geöffnet, erste Veranstaltungen sind ins Auge gefasst.

Becker nennt vier Hauptlinien für die Arbeit in der Region: Unterstützung beim Aufbau von Zivilgesellschaften sowie von unabhängiger Kulturpolitik, Qualifizierung von Kulturschaffenden und Bereitstellung von Plattformen für die Vernetzung. Hilfe zur Selbsthilfe im Prozess der Demokratisierung, lautet die Devise.

Und der Rest der Welt? Nach Fukushima zeigte Goethe auch in Japan besondere Präsenz. Für Moskau ist im Deutschlandjahr 2012 die erste große Beuys- Schau geplant. Und, Überraschung, die deutsche Sprache feiert ihr Comeback. Goethe als Krisengewinnler: Wegen der miserablen Lage in Südeuropa wollen alle Deutsch lernen, sagt Lehmann. In Griechenland, Italien, sogar in Frankreich. Weltweit kommt das Institut dieses Jahr auf 217 000 Sprachkurs-Teilnehmer. chp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben