Kultur : COMEDY

NORBERT TEFELSKI

Im Bühnenbild steckt der Gilb.Die politisch wie versandmonopolistisch anachronistische Farbe möchte zukunftsweisend sein: "...und ab die Post".In der Ufa-Fabrik "informieren" (bis 11.10., Mi-So 20.30 Uhr) Michael Genähr als (ab)gestandener Alleinunterhalter des "Pro Event Service Recklinghausen" und Helmut Hoffmann alias Hans-Hermann Thielke, Beamter im mittleren, nichttechnischen Postdienst.Das gefährliche Spiel mit den Klischeefiguren entscheidet jeder für sich - die mangelhafte Dramaturgie arbeitet gegen beide.Wie so oft zeitigt leichtfertiges "Laß-uns-mal-waszusammenmachen" einen ausgefransten - diesmal gelben - Faden; abgespult werden weitgehend bewährte Solo-Nummern.Dies freilich mit Bravour.Wenn der brave Aktentaschen-Klemmi Thielke von exotischen Gefilden schwärmt ("Elefanten können sich an Dinge erinnern, die andere Tiere längst vergessen haben") oder über Architektur philosophiert ("Wohnungen sind vom Grundriß ganz bewußt so geschnitten, daß man zum Zähneputzen nicht aus dem Haus muß"), erreicht er mitunter valentineske Absurdität: "Ich verfüge über einen angeborenen Sehfehler.Nachts kann ich sehr schlecht sehen, und tagsüber muß ich arbeiten." Daneben überzeugt Genähr als guter Jongleur und schlechter Scherzkeks, der auch mit alten Sachen Freude machen kann: "Was ist ein Pensch? Das Mittelstück von einem Lam-pensch-irm." Doch, doch - einer, der sein Publikum im Grunde verachtet, darf dergleichen.Der Gilb steckt eben im Detail bei dieser postnormalen Nummernrevue zwischen abstürzender Hochkomik und exorbitanter Banalität.

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