„Der Fünfte Beatle“ : Der Ästhet und die albernen Jungs

Brian Epstein führte die Beatles zu Weltruhm. Jetzt widmet sich ein Comic seinem Leben, das trotz des Erfolges auch viele tragische Seiten hatte.

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Bewegte Zeit: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.
Bewegte Zeit: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.Foto: Panini

„Größer als Elvis“ will Brian Epstein die Beatles machen. Ein paar Jahre später sind sie auch dank der Hilfe ihres visionären Managers sogar „populärer als Jesus“ (John Lennon). Vivek J. Tiwary hat zusammen mit Zeichner Andrew C. Robinson (unterstützt von Kyle Baker) in „Der Fünfte Beatle“ die Zeit des Aufstiegs der Liverpooler Band als prachtvolle, lesenswerte Graphic Novel umgesetzt, die aus der Sicht von Epstein erzählt ist.

Er ist 27 Jahre alt und leitet das Plattengeschäft seiner Familie als er die Gruppe 1961 zum ersten Mal auf einem Konzert erlebt. Völlig fasziniert, beginnt er, den ständig herumalbernden – zeichnerisch gut getroffenen – Musikern einen neuen Look zu verpassen und ihnen einen Plattenvertrag zu verschaffen. Vor Epstein hatte der Clubbesitzer Allan Williams die Geschäfte der Beatles geregelt. Von ihm handelt die vergangenes Jahr erschienene, schwarz-weiße Graphic Novel „Liverfool“ der Franzosen Damien Vanders und Gihef.

Von seiner Mission besessen

Darin hatte Epstein bereits einen ersten Auftritt, der sofort verdeutlichte, dass er in einer ganz anderen Liga spielte als der zauselige Improvisator Williams. Auch optisch: Epstein ist ein Ästhet, der stets im dunklen Anzug auftritt. Entsprechend schick sieht „Der Fünfte Beatle“ aus, der den Protagonisten in farbenfrohen, detailreichen Settings zeigt.

Die Panelgrößen variieren immer wieder stark, ganz- und halbseitige Zeichnungen kommen hinzu, was den Eindruck einer bewegten, aufregenden Zeit erzeugt. Leider sind die Sprechblasen und das Lettering extrem hässlich, als wären sie mittels eines Computerprogramms aus den späten Neunzigern entstanden.

Die Beatles rücken mitunter recht weit in den Hintergrund, was nicht weiter stört, da ihre Geschichte ohnehin in groben Zügen bekannt ist. Bei den Details nehmen sich die Autoren künstlerische Freiheiten, doch ihnen gelingt das berührende Porträt eines von seiner Mission Besessenen, der trotz allen Erfolges Außenseiter blieb.

Außenseiter: Brian Epstein auf dem Buchcover.
Außenseiter: Brian Epstein auf dem Buchcover.Foto: Panini

Epsteins Tablettenabhängigkeit wird ebenso thematisiert wie sein Schwulsein, das damals in England noch illegal war. Letzteres nutzt ein hübscher Amerikaner auf perfide Weise aus. Privates Glück scheint Brian Epstein nicht vergönnt gewesen zu sein.

"Der Fünfte Beatle - Die Brian Epstein Story", Panini, 168 Seiten, 24,99 Euro

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