„Der König des Mars“ von Dylan Horrocks : Fantastischer Zweifler

Der selbstreflexive Comic „Hicksville“ machte den neuseeländischen Zeichner Dylan Horrocks international bekannt. Jetzt ist seine neue Graphic Novel „Sam Zabel in: Der König des Mars“ auf Deutsch erschienen - und es geht erneut um den Zauber der Kunstform.

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Alter Ego: Die Hauptfigur des Buches ist dem Autor nachempfunden.
Alter Ego: Die Hauptfigur des Buches ist dem Autor nachempfunden.Foto: Egmont

Der neuseeländische Comic-Künstler Sam Zabel steckt in einer Schaffenskrise: Vor lauter Depressionen kriegt er für „Lady Night“ keine einzige Seite mehr auf die Reihe, da er sich der abgestumpften Einfachheit und der plumpen Schlüpfrigkeit, die diese Superheldenserie ausmachen, mittlerweile komplett verweigert. Alles ist besser, als am nächsten Heft zu arbeiten, egal wie weit er schon über die Deadline hinaus ist. Also nimmt Sam an einer Konferenz über Literatur im 21. Jahrhundert teil, lernt dort eine junge Comic-Enthusiastin kennen und bekommt über diesen Umweg ein altes Heft mit einem antiquierten Weltraumabenteuer in die Hand.

Ein Niesen später steckt Sam in genau diesem Heft und steht plötzlich mitten auf dem Mars! Hier wird er von einem Monster gejagt und von einer Manga-Heldin mit Raketenstiefeln gerettet, und nicht lange danach liegt der verheiratete Familienvater in einem königlichen Harem exotischer außerirdischer Schönheiten. Das ist allerdings erst der Anfang einer unglaublichen, fantastischen Reise, in deren Verlauf Sam sich immer wieder die Frage stellt, wie verwerflich und gefährlich es eigentlich ist, wenn man in Geschichten und Fantasien sündigt ...

Der zweiflerische, grüblerische Sam Zabel, das ist natürlich Dylan Horrocks. Der 1966 geborene Künstler aus Neuseeland, der hierzulande mit seinem Panel-Flickenteppich „Hicksville“ bekannt wurde und darin die Comic-Szene intensiv beleuchtete und hinterfragte, weiß genau, wovon er spricht. Schließlich arbeitete er selbst für den amerikanischen Markt, was alles in allem eine ziemlich deprimierende Erfahrung für den feinfühligen, nachdenklichen Künstler gewesen sein muss. So ist vor allem der Anfang seiner neuen Graphic Novel „Sam Zabel in: Der König des Mars“, die im Original zunächst als Webcomic erschien und jetzt auf Deutsch bei Egmont veröffentlicht wurde, stark autobiografisch.

Magischer Stift: Das Buchcover.
Magischer Stift: Das Buchcover.Foto: Egmont

Doch auch die eingehende Beschäftigung mit der Frage nach der Auswirkung von Geschichten in der realen Welt ist durch und durch Horrocks, der Autoren, Zeichner und Verleger sowie Leser und Fans schon immer gleichermaßen in die Pflicht genommen hat. Und so spürt er in seinem vielseitigen Meta-Comic mit und über Comics der Frage nach, ob und wo in der Fantasie eine Grenze gezogen werden muss und wie viel Verantwortung jeder Einzelne, ob Künstler oder Leser oder irgendetwas dazwischen, mit jeder Seite, jeder Vorstellung und jedem Traum eingeht.

Dylan Horrocks: Sam Zabel in: Der König des Mars, Egmont Graphic Novel, 224 Seiten, 19,99 Euro. Leseprobe auf der Website des Verlages.

Ein längeres Tagesspiegel-Interview mit Dylan Horrocks lesen Sie hier.

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