„A House Divided – Ein gefährliches Erbe“ : Jagdsaison im Herrenhaus

Spannend, witzig und mit einer starken Hauptfigur: Der Webcomic „A House Divided“ von Haiko Hörnig und Marius Pawlitza funktioniert auch in Buchform.

Lara Keilbart
Auf Kawumm folgt Bamm: Eine Szene aus dem besprochenen Band.
Auf Kawumm folgt Bamm: Eine Szene aus dem besprochenen Band.Foto: Carlsen

Die Ausgangslage erinnert an das Ende eines Charles-Dickens-Romans. Die Waise Henrietta Achilles erbt aus heiterem Himmel ein Anwesen nahe dem Städtchen Malrenard weit weg von ihrem Wohnort. Eine positive Wendung des Schicksals? Ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt und obwohl sich die Kleinstadtbewohner etwas seltsam benehmen, stimmt sie zu, das Erbe anzutreten. Doch schon der Anblick des Hauses lässt sie ungläubig staunen: Hunderte Meter ragt es in die Höhe, inmitten eines Gebirges.

Kaum hat Henrietta den Mut aufgebracht, alleine das riesige Herrenhaus zu betreten, sprengt eine Diebesbande eine Hauswand und verwickelt das Mädchen in eine wilde Verfolgungsjagd. Von dessen Anführer Nate Flemming erfährt sie von einer Geheimkammer, in der sich eine mystische Macht befinden soll. Klar, dass diese Macht allerlei Begehrlichkeiten auslöst. Also macht sich Henrietta daran, das Geheimnis ihres Onkels und des Hauses zu lüften.

So wie Henrietta haben auch die Leser von „A House Divided – Ein gefährliches Erbe“ kaum Zeit zum Luftholen. Das liegt nicht nur an Haiko Hörnigs spannender Geschichte und dem Layout, dass vor allem aus vielen kleinen Panels mit Medium- und Close-Up-Perspektiven besteht. Sondern auch an Marius Pawlitzas schwungvollem Zeichenstil. Der westliche Cartoonlook erinnert stark an Disneyproduktionen und erzeugt ordentlich Dynamik.

Die Vorliebe der Macher für Videospiele wird deutlich

Doch die satte Kolorierung in eher dunkleren Braun-, Grün- und Ockertönen vermittelt einen gesunden Anteil an ernsthafterer Dramatik. Denn an gruseligen Momenten mangelt es dem Comic ebenso wenig wie an albernen und witzigen. Die Mischung ist perfekt, sodass am Ende ein äußerst unterhaltsames Buch herauskommt. Dass es sich hier um eine ursprünglich als Webcomic veröffentlichte Story handelt (online unter www.pengboom.de), fällt nicht auf. Eher schon die Vorliebe der Macher für Videospiele.

Protagonistin Henrietta beginnt ihre Heldenreise in diesem Band als schüchternes, aber auch neugieriges Mädchen. Anfangs wird sie von den Geschehnissen eher überrollt und mitgerissen, doch bald nimmt sie eine immer aktivere Rolle an. Ihre schnelle Auffassungsgabe und ihre positive Sicht auf die Dinge geben ihr den Mut und das Selbstbewusstsein, sich den Gefahren zu stellen und sich nicht herumschubsen zu lassen. Trotzdem bleibt sie auch zweifelnd, verletzlich und dadurch glaubwürdig und sympathisch.

Man wird als Leser sogar ein bisschen neidisch, denn wer würde nicht gerne ein riesiges Haus voller Mysterien und Abenteuer erkunden? Mit Henrietta können wir das gemeinsam erleben und sie zeigt uns, was eine Heldin eben auch ausmacht: Verantwortung zu übernehmen und sich den Herausforderungen stellen.

Haiko Hörnig und Marius Pawlitza: A House Divided – Ein gefährliches Erbe, Carlsen, 96 Seiten, 12,9 Euro. Online unter www.pengboom.de.

Fortsetzung folgt: Das Cover des besprochenen Bandes.
Fortsetzung folgt: Das Cover des besprochenen Bandes.Foto: Carlsen

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