„Aâma“ von Frederik Peeters : Galaktischer Verlierer

Mit der Science-Fiction-Comicserie „Aâma“ beweist Frederik Peeters ein weiteres Mal seine Vielseitigkeit - inspiriert von den Großmeistern des Genres.

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Sympathischer Protagonist mit menschlichen Schwächen: Verloc Nim in einem Panel aus dem ersten Band von „Aâma“.
Sympathischer Protagonist mit menschlichen Schwächen: Verloc Nim in einem Panel aus dem ersten Band von „Aâma“.Foto: Reprodukt

In der fernen Zukunft von Frederik Peeters’ neuer Science-Fiction-Comicserie „Aâma“ hat der anachronistisch bibliophile und technophobe Verloc Nim alles verloren, was seinem Leben einmal Sinn und Halt gegeben hat. Seine Frau hat ihn verlassen, die gemeinsame Tochter darf er nicht mehr sehen, und Trickbetrüger haben den Laden leer geräumt, den Verloc von seinem Vater geerbt hat. Selbst die ausweglose Flucht in betäubende Drogen reicht letztlich nicht mehr, um mit all dem fertig zu werden.

In dieser finsteren Stunde kehrt sein Bruder Conrad in Verlocs Leben zurück, der erfolgreich als Problemlöser für einen galaktischen Großkonzern arbeitet. Conrad nimmt seinen gebeutelten Verlierer von einem Bruder mit auf eine Reise zum Planeten Ona(Ji), der erst vor kurzem entdeckt wurde. Dort sollen Conrad, sein tougher Gorilla-Roboter-Bodyguard und der störrische Verloc eine Forschungskolonie aufsuchen, die fünf Jahre lang von Conrads amoralischem Arbeitgeber ausgebeutet und im Stich gelassen wurde.

Das wahre Ziel ist indes die Bergung der Substanz Aâma – eine Art Ursuppe aus mikrobisch kleinen Pico-Robotern, die selbstständig Materie auf subatomarer Ebene verändern kann. Schnell merken Verloc, Conrad und ihr Robo-Begleiter, dass die Dinge auf Ona(Ji) nicht zum Besten stehen ...

Mit „Der Geruch von heißem Staub“ stellt der Schweizer Frederik Peeters einmal mehr seine Vielseitigkeit und sein Können unter Beweis. Nach herausragenden Werken wie dem Meta-Fantasy-Märchen „Koma“, der Twilightzone-mäßigen Mystery-Geschichte „Sandburg“ oder der autobiografischen HIV-Betrachtung „Blaue Pillen“ wendet sich der 1974 geborene Eidgenosse nun der Science-Fiction zu.

Verheißungsvoller Auftakt: Das Cover des ersten Bandes von "Aâma".
Verheißungsvoller Auftakt: Das Cover des ersten Bandes von "Aâma".Foto: Reprodukt

Doch statt auf epische Raumschlachten und cineastische Action setzt Peeters im Auftaktband zu „Aâma“, das auf dem Comic-Festival im französischen Angoulême 2013 mit dem wohl wichtigsten europäischen Comic-Preis ausgezeichnet wurde, auf Stimmung, Charaktere und eigenständige Ideen. Lediglich das Tempo der auf Deutsch bei Reprodukt veröffentlichten Space Opera könnte hier und da etwas flotter sein. Dafür orientiert sich Peeters zeichnerisch diesmal stark an den amerikanischen Großmeistern klassischer Science-Fiction-Comic-Kunst, also an Genre-Giganten wie Alex Raymond, Wally Wood und Al Williamson.

Vor allem aber ist Verloc ungeachtet seiner Schwächen ein sympathischer Protagonist dieser Serie mit großem Potenzial – in Frankreich sind bereits zwei weitere Bände erschienen.

Frederik Peeters: Aâma, Band 1: Der Geruch von heißem Staub, Reprodukt, aus dem Französischen von Marion Herbert, Handlettering von Dirk Rehm, 88 Seiten, 20 Euro.

Der Blog unseres Autors Christian Endres findet sich hier: www.christianendres.de.

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