Albert Camus als Comic : Der Kampf des Künstlers

Comic, Kunstkatalog, Biografie: Die Berliner Zeichnerin Katia Fouquet hat Albert Camus' „Jonas“ adaptiert und macht es ihrem Publikum nicht leicht. Dennoch: Das Ergebnis ist visuell einzigartig und lesenswert.

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Eingezwängt zwischen Freiheit und Zwängen: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.
Eingezwängt zwischen Freiheit und Zwängen: Eine Seite aus dem besprochenen Buch.Foto: Edition Büchergilde

Gibt es eigentlich einen Autoren, der noch unzeitgemäßer ist als Albert Camus? Na gut, Ernest Hemingway, vielleicht, aber das ist eine ganz andere Geschichte. Aber was soll uns ein Künstler sagen, der immer dafür plädiert hat, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen, der einen rigorosen und fast schon romantischen Individualismus vertrat, der auch in politischer Sicht das persönliche Glück gegen die kollektive Beglückung stellte? Und das in einer Zeit, in der so ziemlich jeder Politiker von Merkel über Gabriel bis hin zu Trittin uns doch „abholen und mitnehmen“ will.

Albert Camus wollte nie so eine Art Untertan sein, er wurde nicht ferngesteuert und stand immer mutig für seine eigenen, anarchischen Ansichten ein. Auch wenn das bedeutete, dass er gegen die gesamte französische Geisteselite kämpfte – an ihrer Spitze Sarte, der noch für jedes kommunistische Gangsterregime Entschuldigungen fand.

Die Berliner Illustratorin Katia Fouquet hat sich mit „Jonas“ nun einen relativ späten und unbekannten Text von Camus vorgenommen. 1957, drei Jahre vor seinem frühen Unfalltod und im Jahr, in dem er den Literaturnobelpreis bekam, erschien diese Erzählung über den Aufstieg und Untergang eines Künstlers. Eingezwängt zwischen künstlerischer Freiheit und ökonomischen Zwängen, zwischen Arbeit und Liebe, findet Jonas irgendwann nur noch die komplette Isolation.

Aufstieg und Untergang eines Künstlers: Das Buchcover.
Aufstieg und Untergang eines Künstlers: Das Buchcover.Foto: Edition Büchergilde

Fouquet hat daraus keinen leicht konsumierbaren Comic gemacht, man merkt ihr die Herkunft von der Illustration sehr an. Trotzdem: Auch wenn es erzählerisch einiges zu Kritisieren gibt, so schafft sie doch eine einzigartige visuelle Geschichte, irgendwo in der grauen Zone zwischen Comic, Kunstkatalog und Biografie (Camus’ und Fouquets!) angesiedelt. Nicht einfach, aber lesenswert!  

Katia Fouquet nach Albert Camus: Jonas oder Der Künstler bei der Arbeit. Aus dem Französischen von Guido G. Meister. Edition Büchergilde, Frankfurt/Main, Wien und Zürich 2013. 160 Seiten, 24,95 Euro

Diese Rezension erschien zuerst im Berliner Stadtmagazin zitty - wir danken für die freundliche Genehmigung zur Zweitveröffentlichung!

 

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