Arne Jysch : „Die Musik hat mich überzeugt“

Der Berliner Zeichner Arne Jysch hat 2012 mit dem Afghanistan-Drama „Wave and Smile“ einen der meistdiskutierten Comics der vergangenen Jahre veröffentlicht. Jetzt findet sich sein Name unter einem Musikvideo der Gruppe Moderat - Anlass für ein Kurzinterview.

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Inspiriert von Charles Burns und alten Werbeillustrationen: Ein Screenshot aus dem Moderat-Video. Foto: Promo
Inspiriert von Charles Burns und alten Werbeillustrationen: Ein Screenshot aus dem Moderat-Video.Foto: Promo

Tagesspiegel: Wie kam es zu der Mitarbeit an dem mit Comic-Motiven spielenden Video zu "Bad Kingdom" von Moderat, und was war Ihr Beitrag dazu?

Arne Jysch: Die Pfadfinderei, die das Artwork für Moderat gestaltet, wurden durch meine Illustrationen für ein Eventunternehmen auf mich aufmerksam. Ich war drauf und dran den Job abzusagen, weil der Großteil der Bilder eigentlich schon getan war, aber die schöne Idee und nicht zuletzt die Musik haben mich dann überzeugt, die noch fehlenden Motive umzusetzen. Die Pfadfinderei hatte die Motive mit Hilfe von vielen Fotos sorgfältig vorbereitet, so konnte ich mich ganz auf das Zeichnen und den für mich ungewohnten Stil konzentrieren. Meine Arbeit gefiel ihnen jedenfalls so gut, dass ich kurz darauf einen Folgeauftrag für Illustrationen der Moderat-Bühnenshow bekam.

Wie kommt es beim Video und auch beim CD-Cover, dass der Zeichenstil ästhetisch sehr an Charles Burns erinnert?

Das Video für die Single „Bad Kingdom“ sollte die gleiche Ästhetik haben wie das bestehende Artwork der CD und sich in der Tat stark an Charles Burns aber auch an Werbeillustrationen der 50er und 60er Jahren orientieren. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Stil erfordert eine sehr ruhige Hand und ein gutes Gefühl für Hell-Dunkel, das man durch sehr saubere Schraffuren mit schwarzer Tusche erzeugt.

Arbeiten Sie nach dem großen Erfolg von "Wave and Smile" an einem weiteren Graphic-Novel-Projekt - oder machen Sie gerade etwas ganz anderes?

Seit dem erscheinen des Comics habe ich wieder als Storyboardzeichner gearbeitet. Dabei waren neben Werbefilmen schöne Projekte, wie das Board für die Verfilmung von „Der Medicus“, der komplett durchgeboarded wurde und Ende des Jahres ins Kino kommt. Auch das Storyboard für den Film „Stereo“, dessen Dreharbeiten mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel soeben abgeschlossen sind, waren ein spannender Job. Für meinen neuen Comic recherchiere ich gerade das Berlin der 1920er Jahre, eine wirre und düstere Zeit. Ich quäle mich momentan mit der Autorenarbeit die leider noch eine Weile dauern wird.

Vom Film zum Comic: Arne Jysch in seinem Berliner Atelier. Foto: Lars von Törne
Vom Film zum Comic: Arne Jysch in seinem Berliner Atelier.Foto: Lars von Törne

Wie sehen Sie mit gut einem Jahr Abstand die große öffentliche Resonanz, die Ihr Erstlings-Comic im vergangenen Jahr ausgelöst hat?

Interessant ist, dass viele aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis von dem Presserummel um „Wave and Smile“ gar nichts mitbekommen haben. Es hat dann doch nur in einer sehr speziellen, kleinen Welt für Aufregung gesorgt. Man versucht aus den vielen Kritiken und Rezensionen eine Essenz, eine große Richtung herauszulesen. Die Besprechungen und Rezensionen besonders im Internetwaren aber teilweise so gegensätzlich als hätten die Leute verschiedene Bücher gelesen. Mit der Zeit bleibt so ein vages Gesamtgefühl, das mich motiviert mehr mit dem Medium Comic auszuprobieren und auf vielen Ebenen besser zu sein.

Was dürfen Comicfans als Nächstes von Ihnen erwarten?

Ich hoffe, dass der nächste Comic 2015 erscheint. Aber das ist wegen meiner zeitraubenden kommerziellen Arbeit als Storyboardzeichner noch nicht sicher. Und meine Familie will ja auch noch was von mir haben.

Das Video zu "Bad Kingdom" von Moderat finden Sie unter diesem Link.

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