Aus dem Tagesspiegel-Archiv : Als Comicreporter auf der Funkausstellung

Vor 15 Jahren schickte der Tagesspiegel die Zeichner Mawil, Ulli Lust, Jens Harder und Kai Pfeiffer mit dem Zeichenblock auf die Ifa - hier die Ergebnisse.

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Stille Momente. Diese Szenen hielt Mawil vor 15 Jahren für den Tagesspiegel auf der Ifa fest. Illustration: Mawil / Tagesspiegel
Stille Momente. Diese Szenen hielt Mawil vor 15 Jahren für den Tagesspiegel auf der Ifa fest.Illustration: Mawil / Tagesspiegel

Jedes Jahr, wenn – wie an diesem Freitag wieder – die Internationale Funkausstellung ansteht, muss ich an Fingernägel knipsende Koreaner denken. Schuld daran ist Markus Witzel alias Mawil. 15 Jahre ist es her, dass der Comiczeichner und drei seiner Kollegen im Auftrag des Tagesspiegels auf der Ifa unterwegs waren, um in gezeichneten Reportagen aus den Messehallen zu berichten. Damals hatten sie gerade die Kunsthochschule absolviert, inzwischen haben sich Mawil, Ulli Lust, Jens Harder und Kai Pfeiffer als Autoren anspruchsvoller Bilderzählungen auch international einen Namen gemacht.

Dass eines ihrer Markenzeichen der genaue, aber unkonventionelle Blick auf die Dinge werden würde, ließen die vier Zeichner bereits vor 15 Jahren erahnen, wie man auf den Tagesspiegel-Seiten erkenne kann, die unter den folgenden Links angeklickt werden können. Da untersuchte Kai Pfeiffer die beunruhigenden Auswirkungen der auf der Ifa präsentierten Werbewelten und Oberflächen auf die Sehnerven der Besucher. Ulli Lust beobachtete mit deutlichem Unbehagen, wie 48 Teams an 300 vernetzten Rechnern um die Meisterschaft im Killerspiel „Counter-Strike“ kämpften und machte sich in einem zweiten Beitrag so ihre Gedanken zum Ifa-Maskottchen. Und Jens Harder beschrieb die aufreibende Arbeit der Animateure, die ihre Elektrogeräte dem Publikum wie auf dem Rummel anpreisen.

Und Mawil, der sich seitdem mit Büchern wie „Kinderland“ und seinen als „The Singles Collection“ gesammelten Tagesspiegel-Sonntagsstrips profiliert hat, schaute damals schon dorthin, wo sonst keiner so genau hinguckt: Er porträtierte ein paar am Tisch eingeschlafene Mitarbeiter eines chinesischen Elektronik-Konzerns, er kürte die schmucklose Präsentation eines Batterieanbieters als unspektakulärsten Stand des Jahres – und er beobachtete eben jenen Vertreter eines koreanischen Konzerns, der sich am Rande des Messetrubels mal eben die Fingernägel mit einem Knipser stutzte. Das war in seiner profunden Nebensächlichkeit so kurios, dass es seitdem all meinen anderen Ifa-Erinnerungen überlagert.

Die Koreaner sind ab Freitag übrigens hauptsächlich in Messehalle 26 zu finden – und alles weitere zur Ifa steht online hier: www.tagesspiegel.de/ifa

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