Ausstellung : Geduldig wie Gouache auf Reispapier

Armin Abmeier ist Comicverleger - und nun auch Galerist. Zur Eröffnung seiner "Tollen Galerie" kamen Freunde und Interessierte, Künstler und Buchhändler in Münchens Dreimühlenviertel, um die Werke des Zeichners Blexbolex zu bewundern.

von
Das Ausstellungsplakat.
Das Ausstellungsplakat.Illustration: Blexbolex

"Halleluja Berlin! Alle wollen dahin" singt Rainald Grebe so schön in seiner Hommage an Brandenburg – und auch viele Comickünstler sind dem Ruf in die Hauptstadt gefolgt. Dort kann es gerne mal passieren, dass man sich auf der Geburtstagsfeier eines jungen, aufstrebenden Künstlers gleich von der ganzen deutschen Comicszene umringt findet. In München dagegen sieht das etwas anders aus: Während in den Achtzigern die bayerische Metropole mit verschiedenen Magazinen ihr goldenes Comiczeitalter feierte, geht man nun alles etwas geduldiger an.

Geduld gehört zu den Kardinaltugenden von Armin Abmeier, dem Herausgeber der tollen Hefte – und nun eben auch Galerist. In seiner Zeit als

Bei der Ausstellungseröffnung führt Galerist Armin Abmeier (links) in das Werk von Blexbolex (rechts) ein.
Bei der Ausstellungseröffnung führt Galerist Armin Abmeier (links) in das Werk von Blexbolex (rechts) ein.Foto: Daniel Wüllner

Buchhändler und Verlagsvertreter lernte er, auf Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und Geschichten über die zu verkaufenden Bücher zu erzählen. Sein Interesse an grafischer Kunst und Literatur traf in den Sechzigerjahren auf den amerikanischen Undergroundcomic. Seitdem entwickelten sich nicht nur zahlreiche Freundschaften mit Künstlern, sondern auch 34 tolle Hefte, die seit vergangenem Freitag in der tollen Galerie ihren Platz an den Wänden finden. Vier Ausstellungen plant Abmeier im Jahr.

Auch die Freundschaft zum ersten ausstellenden Künstler Blexbolex (alias Bernard Granger), mit dem Abmeier bereits ein "tolles Heft" gemeinsam realisierte, hat sich langsam entwickelt. Die beiden Männer sind sich gar nicht so unähnlich: Blexbolex’ Maltechnik – Gouache auf Reispapier – ist eine vergleichbar geduldige Kunst, die sehr viel Zeit benötigt, um sich zu entwickeln. In seinen Begrüßungsworten zur Vernissage erläutert der Kunsthistoriker Helmut Kronthaler diese Technik: Blexbolex trägt die Gouache auf Reispapier auf und muss warten, bis die Farbe vollends eingezogen ist. Während seine grafischen Anspielungen auf Tintin und seine eigenen Kreationen langsam eintrocknen, zieht sich das Papier zusammen und wirft kleine Falten; es arbeitet.

Foto: Promo

Blexbolex’ neustes Werk, das 140 Seiten haben soll, ist bisher nur in Auszügen zu sehen. Doch werden diese Exponate nicht Teil des neuen Buches, da Blexbolex alle Originale behalten will. Neben diesen „aussortierten“ Originalen hängen in der tollen Galerie auch modellierte Masken, deren brave Verpackungen einer kindlichen Nostalgie frönen und gleichzeitig an unheimliche Monster erinnern.

Das entspannte Publikum nimmt die Werke in Augenschein und blättert in den ausgelegten verschiedensprachigen Comics von Blexbolex. Mittlerweile haben hat sich auch ein weiterer Comickünstler und Wahlmünchener eingefunden: Uli Oesterle. Während langsam die Dämmerung einsetzt, genießt man im stimmungsvollen Ambiente der Dreimühlenstraße bei einem kühlen Bier und Wein die Unterhaltungen. Selbst wenn Münchens Bürgersteige nicht so breit sind wie die in Berlin, so bietet die Stadt dennoch genug Platz für eine tolle Galerie, in der man sich noch Zeit für die Kunst des Comics nimmt.

Illustration: Blexbolex

Ausstellung: "Blexbolex: Bilder und Masken" (mit Stefanie Schilling), noch bis zum 30. Oktober, Dreimühlenstraße 27, 80469 München. Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag, 14 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung. Virtuelle Ausstellung: http://www.tolle-galerie.de/VA/virtuelle_ausstellung.html

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar