Ausstellung : Helden wider Willen

Superman und Spirit, "Maus" und die erste richtige Graphic Novel - sie alle stammen aus der Feder von jüdischen Textern und Zeichnern. Eine Frankfurter Schau zeigt jetzt den Comic „als Medium jüdischer Erinnerung“

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Stark bleiben. Eine Szene aus Bernice Eisensteins zum Teil mit Comics illustrierter Autobiographie "Ich war das Kind von...Illustration: Eisenstein/Promo

Dem „Comic als Medium jüdischer Erinnerung“ widmet das Jüdische Museum in Frankfurt am Main eine Ausstellung. Bis zum 22. März 2009 werden Werke von über 40 Comiczeichnern gezeigt. Das Spektrum reicht von Comicstrips des frühen 20. Jahrhunderts über Comic Books der 1930er Jahre bis hin zu aktuellen Titeln und Projekten. Neben den Superman-Schöpfern Joe Shuster und Jerry Siegel sind Altmeister des Comics wie Will Eisner, aber auch zeitgenössische Künstler wie etwa Art Spiegelman, Rutu Modan, Joann Sfar oder der Berliner Zeichner Tim Dinter vertreten, der regelmäßig auch für den Tagesspiegel Comcistrips zeichnet.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert entstand in den USA der Comicstrip, der zum festen Bestandteil vieler Zeitungen und Zeitschriften wurde. Die beliebten „Funnies“ erschienen auch in Publikationen, die sich an ein jüdisches Publikum richteten. So in jiddischen

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Witz und Weisheit. Szene aus Joan Sfars "Die Katze des Rabbiners".Illustration: Promo

Zeitungen, die von Immigranten aus Osteuropa viel gelesen wurden. Als Synthese aus Comicstrip und amerikanischem Groschenroman entstanden die Comic Books als eigenständiges Medium.

Zahlreiche Superhelden, die bis heute zu den populärsten Comicfiguren zählen, entstammten den Federn jüdischer Zeichner: Superman, Batman, The Fantastic Four, Hulk und viele andere Superhelden verdanken ihre Existenz jüdischen Textern und Zeichnern. Auch "The Spirit", der kom

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Auf der richtigen Seite. Joe Shusters und Jerry Siegels Superman in Aktion.Illustration: Promo

menden Monat durch Frank Millers im Januar startenden Kinofilm auch einem größeren deutschen Publikum bekannt werden dürfte.

Dass aus dem vermeintlich trivialen Comic ein ernsthaftes Medium mit Anspruch wurde, ist vielen jüdischen Zeichnern zu verdanken. Will Eisner, der seit den 1930er Jahren in New York ein Comicstudio leitete, schuf mit „A Contract with God“ die erste „Graphic Novel“ (gezeichneter Roman). In diesem u

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Jüdische Gegenwart. Szene aus Rutu Modans "Blutspuren".Illustration: Promo

nd anderen seiner oft autobiografisch gefärbten Bildromane schildert Eisner das jüdische Unterschichtenmilieu in den amerikanischen Vorstädten der damaligen Zeit.

Für die Nachkommen von Holocaust-Überlebenden wurde der Comic zu einer Form der Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte und der eigenen Familiengeschichte. Art Spiegelmans Maus, mit der er die Erinnerungen seines Vaters in Auschwitz thematisierte, wurde kontrovers diskutiert. Auch andere Comiczeichner machten die Geschichte des Holocaust zum Thema.

Mehr zur Ausstellung auf der Website des Museums. dpa

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