Ausstellung : Zeichnerische Zugriffe

Die Berliner Künstlergruppe "Drama Light" verwandelt Klassiker der Weltliteratur in Comics. Eine Ausstellung im Ballhaus Ost zeigt Originalzeichnungen, Skizzen und Storyboards.

Jan Oberländer
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Tod und Verderben. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Dezember geöffnet. -Illustration: Stepan Ueding

Mundgeruchsteuer, Menstruationssteuer, Sensationssteuer – und natürlich die Steuer auf die berühmte „Schoiße“. Das umfassende „Steuerlöcherstopfsystem“ des König Ubu wirkt umso witziger und absurder, wenn man es bildlich vor Augen geführt bekommt. In ihrer Comic-Version bringt die Zeichnerin Julia Ochsenhirt Alfred Jarrys surrealistisch-dadaistisches Theaterstück mit naiv-präzisem, an die Illustrationen Anke Feuchtenbergers erinnerndem Strich auf den Punkt.

Neben „König Ubu“ haben die Mitglieder der Berliner Illustratoren- und Autorengruppe Dramalight noch neun andere literarische Klassiker adaptiert. Nach eigenen Angaben, „um ihnen in prägnant-parabelhaften Comic-Versionen zu neuem Glanz zu verhelfen.“ Von Sophokles’ „Antigone“ über Mary Shelleys „Frankenstein“ bis hin zu Shakespeares „Sturm“ reicht die Bandbreite, die Stoffe werden „zerschnipselt, skizziert, montiert“ und schließlich auf jeweils 24 Comicseiten festgehalten. (Die Berliner Gruppe Moga Mobo hat mit ihren „100 Klassikern der Weltliteratur“ ein ähnliches Projekt realisiert, hier geht es zur Tagesspiegel-Rezension.)

"Drama light" nennen die Macher das, und vielleicht ist Kleists „Hermannsschlacht“ als Bildergeschichte ja wirklich einfacher zugänglich als in Versform.

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Konjunkturprogramm. König Ubus "Steuerlöcherstopfsystem". -Illustration: Julia Ochsenhirt

Die Illustratorin und Bühnenbildnerin Mira Voigt (hier ihre Website) hat die Gruppe im Dezember 2008 gegründet. Es habe sie gereizt, sagt sie, „theatrale Texte mit Comics und Illustration zu verbinden“. Die großen Stoffe sollten „lustvoll und ohne pädagogischen Zeigefinger einem anderen Publikum“ präsentiert werden.

Gleichgesinnte fand Voigt schnell. Die meisten von ihnen, darunter Absolventen der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und der Universität der Künste, verdienten ihr Geld als Grafiker und Illustratoren, erklärt die 32-Jährige. Dramalight helfe dabei, „die Herzensprojekte nicht aus den Augen zu verlieren.“ Auf regelmäßigen Treffen, zu denen zwei Mitglieder sogar aus der Schweiz anreisen, werden die Arbeiten vorgestellt und besprochen. So bestärke man sich gegenseitig und stachele sich an. Eine Internetseite im Blog-Format bündelt die Ergebnisse.

Nachdem das No-Budget-Projekt Dramalight ein Jahr lang eher „unauffällig rumgebrödelt“ hat, wie Voigt sagt, von einer kleinen Schau im Rahmen der „48 Stunden Neukölln“ im Juni einmal abgesehen, zeigt nun eine Ausstellung im 3. Stock des Ballhaus Ost in der Pappelallee den neuesten Stand der Adaptionsarbeit.

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Frankensteins Monster. Christian Gralingens technischer Zeichenstil passt zum Thema des Baukastenmenschen. -Illustration: Christian Gralingen

Zu sehen sind Originalzeichnungen, Skizzen und Storyboards, der Titel „Tod und Verderben“ verweist darauf, dass es in den Geschichten manchmal durchaus drastisch zugeht. Geöffnet ist täglich von 17 bis 24 Uhr, der Eintritt ist frei. Finissage ist am Samstag, dem 12. Dezember.

Ein Ziel der Ausstellung ist übrigens auch, einen Verlag für das Klassiker-Projekt zu finden. „Optimal“ fände Mira Voigt, zehn einzelne Comic-Hefte zu produzieren, „pro Projekt ein Heft“, gesammelt in einer Kassette oder einem Schuber. Alles in schwarz-weiß, plus jeweils eine zusätzliche Farbe pro Comic. Vielleicht wird ja jemand aufmerksam. Dramalight solle schließlich noch lange weiter leben. An Ideen für weitere Adaptionen mangele es jedenfalls nicht.

Ausstellung "Tod und Verderben", noch bis 12. Dezember im Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Prenzlauer Berg. Täglich von 17 bis 24 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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