Berlin-Comic : Blutrausch im Trochäus

Berlins Jack the Ripper heißt Knochen-Jochen. Seine Geschichte erzählt ein amüsanter Comic von Helge Großklaus und Bela Sobottke – in Reimform.

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High Noon in Kreuzberg. Auch die Polizeiwache in der Friesenstraße ist einer der Schauplätze der Jagd auf den Killer.

Die Kampfhunde sind schuld. Hätten die den Jochen nicht eines Tages in der Hasenheide beim Grillen belästigt, hätte er vielleicht nie seine Mordlust entdeckt. Aber die Hunde fühlten sich nun mal von Jochens Grillfleisch angezogen, er reagierte hysterisch - und setzte das Filetbesteck gegen die Konkurrenz ein. Am Schluss der Begegnung formen die Gebeine der Tiere auf dem Boden des Neuköllner Parks folgendes Bekenntnis: „Knochen-Jochen hat’s verbrochen.“

So beginnt eine ebenso blutrünstige wie amüsante Geschichte, die der Autor Helge Großklaus und der Zeichner Bela Sobottke kürzlich als 50-seitiges Büchlein im Kleinverlag Gringo Comics veröffentlicht haben.

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"Er versuchte auszuweichen, doch zu spät war's für dergleichen." Dieser Jogger ist eines der ersten Opfer von Knochen-Jochen.

Der Clou: „Knochen-Jochen“ wird in Reimform erzählt. Die makabren Morde der Hauptfigur werden in fröhlich rumpelnden Versen geschildert, was eine unterhaltsame, wenngleich etwas derbe Mischung ergibt: Blutrausch im Trochäus.

Knochen-Jochens Gegenspieler ist ein Kommissar von der Polizeiwache in der Kreuzberger Friesenstraße. Die Jagd auf den Berliner Schlächter und die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in der Hasenheide wird für ihn zur Lebensaufgabe („Dieser Park ist für die Bürger, nicht für Mörder oder Würger“).

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Derweil arbeitet sich Jochen, der Killer mit dem Affengesicht und den wilden Locken, nach den Kampfhunden durch ein buntes Panorama Berliner Typen. Nach einem Jogger, der mit dem Spaten erledigt wird, muss ein Drogendealer dran glauben, eine Oma, zwei Gärtner, und und und. Am Schluss kulminieren Mordlust und polizeiliche Jagd in einem filmreifen Finale.

Entstanden ist die Idee zum Buch übrigens tatsächlich in der Hasenheide, wie Autor Großklaus im Nachwort schreibt. Bei regelmäßigen Joggingrunden „merkte ich, was dieser Park für eine herrliche Kulisse ist, ausgestattet mit Personal vom allerfeinsten.“ Als er dann zum wiederholten Male mit hundescheißeverschmierten Schuhen nach Hause trabte, war der Schritt zum Serienmord fast eine logische Konsequenz.  lvt

Bela Sobottke und Helge Großklaus: Knochen-Jochen, rund 50 Seiten, 7,90 Euro, Gringo Comics. Mehr unter www.knochenjochen.de.

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