Cartoons : Kollektiver Hintersinn

Abstrus, albern und hin und wieder schlicht großartig: Ein Sammelband vereint Rattelschnecks gesammelte Werke. In Berlin gibt es dazu jetzt eine Ausstellung.

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Solitär. Der Titel-Cartoon des jetzt erschienenen Rattelschneck-Sammelbandes.Illustration: Rattelschneck/Carlsen

Welch ein Name: Rattelschneck! Allein der Klang verheißt schon einiges. Nichts Gewöhnliches, nichts Ernstes, vor allem aber auch nichts allzu Logisches. Denn was, bitte schön, ist Rattelschneck? Weder Ratte noch Schnecke, noch Rassel oder Schecke. Der Name soll vom englischen Wort rattlesnake (Klapperschlange) abgeleitet sein. Aber eigentlich ist Rattelschneck einfach Rattelschneck und damit ein Synonym für Cartoons mit einem ziemlich abstrusen Humor. Dahinter verbirgt sich nicht ein Künstler, sondern ein ganzes Kollektiv, von dem im Laufe der Jahre bis heute Marcus Weimer und Olav Westphalen übrig geblieben sind.

In dem jetzt bei Carlsen erschienenen Band „Helden und Geschichten“ geben sie einen ziemlich guten Überblick darüber, wie präsent sie in Zeitungen und Zeitschriften sind. Denn Rattelschneck veröffentlichen ihre Cartoons in zahlreichen Medien wie der FAZ, der Süddeutschen, der Zeit, der Jungen Welt oder der Titanic. So unterschiedlich diese Publikationen sind, so vielfältig sind auch die Cartoons. Etwa die kleinen Strips über „Lebkuchen Jonny“ (erschienen in der "Jungen Welt") oder den absurden Punktekampf „Berlin vs. New York“, erschienen in der "Zeit" oder andere kleine Serien wie über Stulli, das Pausenbrot. Nicht alles ist gelungen, in der Häufung können die kleinen absurden Storys auch nerven, erscheinen dann nur noch albern. Aber wirklich großartig sind die solitären Cartoons, die in ihrer Abstrusität kaum zu toppen sind. In ihnen zeigt sich der ganze Hintersinn, das Hintergründige.

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Humor zum Anfassen. Ein Cartoon aus dem Sammelband.Illustration: Rattelschneck/Carlsen



In dieser Hinsicht ist der Einfluss des großen alten Meisters der neuen Frankfurter Schule, F.K. Waechter, nicht zu übersehen. Nicht umsonst ist der Band auch dem vor vier Jahren gestorbenen, genialen Könner des bisweilen absurden Cartoons gewidmet. Aber Rattelschneck wären nicht Rattelschneck, wenn es nicht auch noch eine zweite Würdigung gebe. Nämlich für die "Hörzu", jene altmodische TV-Zeitung, die sich nie durch einen besonders raffinierten Witz auszeichnete, aber wahrscheinlich in der Jugend als Zeitschrift prägend war für diese beiden Rattelschnecks, die in den sechziger und siebziger Jahren aufwuchsen.

Rattelschneck: Helden und Geschichten. 160 Seiten. Carlsen Verlag. 19,90 Euro. Parallel zu dem neuen Sammelband läuft ab Freitag in Berlin in der Kreuzberger Galerie Knoth & Krüger eine Ausstellung mit Originalen von Rattelschneck (Oranienstraße 188, 10999 Berlin). Öffnungszeiten: Do - Sa: 18 - 22 Uhr Die Ausstellung ist zu sehen von 16. Januar - 10. Februar 2010.

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