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Comic-Album : Der Preis der Rache

31.12.2012 11:43 Uhrvon
Der Mensch als Ware. Eine Szene aus dem Buch. Foto: AvantBild vergrößern
Der Mensch als Ware. Eine Szene aus dem Buch. - Foto: Avant

Seeräuber, Plantagenbesitzer, Sklaven: Fabien Nurys und Brünos Adaption des Abenteuerromans „Atar Gull“ ist eine packende Lektüre über zerstörerische Kräfte und Leidenschaften.

„Atar Gull“ ist die Panel-Adaption des gleichnamigen Abenteuerromans aus der Feder des französischen Schriftstellers Eugène Sue (1804-1857), dem französischen James Fenimore Cooper – einem Freund von Dumas und Pionier der Fortsetzungsgeschichte, der dabei half, den Roman als Literaturform in Frankreich zu etablieren. Bei seinem Erscheinen im Jahre 1831 einer der ersten maritimen Romane in Frankreich und wegen seiner Themen obendrein so etwas wie ein Skandal, ist „Atar Gull“ bzw. seine Comic-Adaption heute zumindest noch ein Zeitzeugnis über die perfiden Moralvorstellungen des frühen 19. Jahrhunderts und hier natürlich besonders die Unmenschlichkeit des Sklavenhandels in den einstigen Kolonien Europas, die durch Gewalt und Skrupellosigkeit auf allen Seiten mit billiger Arbeitskraft versorgt wurden.

Sue, der später auch als Sozialist und Reformer in Erscheinung trat, fing das Paradoxon des damals „modernen“ Sklavenhandels ein, das auch in der Comic-Adaption neben einer Rachegeschichte das große Über-Thema ist.

Der Werbefachmann Fabien Nury, der inzwischen als vielseitiger Comic-Szenarist unterwegs ist (u. a. „Ich bin Legion“ und „Es war einmal in Frankreich“), und der erstmals mit einem seiner Werke hierzulande in Erscheinung tretende Zeichner Brüno adaptierten Sues episodenhaft anmutenden Abenteuerroman als erfreulich flott erzählten Comic über die zerstörerischen Kräfte und Leidenschaften zwischen Seeräubern, Plantagenbesitzern und Sklaven. Die für Literatur-Adaptionen häufig typische Komprimierung der Vorlage spürt man nur selten.

Geradlinig: Die Hauptfigur auf dem Buchcover. Foto: AvantBild vergrößern
Geradlinig: Die Hauptfigur auf dem Buchcover. - Foto: Avant

So erzählen Nury und Brüno mit prägnanten Dialogen, hübschen Zeichnungen, abwechslungsreichen Seitenaufteilungen und immens stimmungsvollen Farben vor exotischer Kulisse einmal mehr von der Ausbeutung und Herabwürdigung des Menschen durch seinen größten Feind – den Menschen.

Aufhänger ist dabei die finstere Geschichte des vermeintlich vorbildlichen Sklaven Atar Gull. Der im Krieg gegen einen anderen Stamm gefangene und für Perlen und Gewehre verkaufte Häuptlingssohn opfert sein Leben für einen bizarren Langzeit-Racheplan, der ihn aus den Fängen des Piraten Kapitän Brulart nach Jamaika und schließlich bis ins graue London führt. Dort muss er am Ende – viel zu spät – erkennen, dass Vergeltung immer einen hohen Preis hat und oft selbst dann noch kostet, wenn alle anderen bereits ihre Strafe erfahren haben und man selbst schon genug eingezahlt hat. Ein klassisch geradliniges, aber doch packendes Comic-Abenteuer über mehr als nur ein düsteres Thema.

Fabien Nury, Brüno: Atar Gull oder Das Schicksal eines vorbildlichen Sklaven, Avant, 86 Seiten, 19,95 Euro

Mehr Artikel unseres Autors Christian Endres stehen hier. Und sein Blog findet sich hier: www.christianendres.de.

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