Comic-Anthologie „Spring“ : Dem Elefanten auf der Spur

Im aktuellen Band der Anthologie „Spring“ reflektieren deutschsprachige und indische Zeichnerinnen ihre Alltagserfahrungen.

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Bitch: Eine Doppelseite aus dem Beitrag von Prabha Mallya.
Bitch: Eine Doppelseite aus dem Beitrag von Prabha Mallya.Foto: Spring

Wer etwas Offensichtliches und für jeden Erkennbares anspricht, braucht manchmal Mut. Denn oft ist es unangenehm oder unbequem, offensichtliche Probleme oder Missstände zu thematisieren. Der englische Ausdruck für dieses Phänomen ist gleichzeitig der Titel der aktuellen Ausgabe des Magazins „Spring“, nämlich: „The Elephant in the Room“.

Der 13. Band der jährlichen Anthologie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen acht deutschen und acht indischen Künstlerinnen. In der Nähe von Bangalore setzten sie sich in einem gemeinsamen Workshop mit der Frage auseinander, was es in der indischen und der deutschen Gesellschaft bedeutet, eine Frau zu sein.

Die in diesem intensiven Austausch entstandenen Geschichten kreisen um Themen wie Selbstbestimmtheit, das Verhältnis zum eigenen Körper, Mutterschaft sowie Gewalt und Konflikte. Die Zugänge sind unterschiedlich und die erzählten Geschichten mitunter sehr persönlich, dennoch wird deutlich, dass die Unterschiede zwischen den Erfahrungen in der indischen und der deutschen Gesellschaft weniger ausgeprägt sind, als man erwarten könnte.

Auch Ulli Lust und Barbara Yelin sind wieder dabei

Immer wieder trifft man auf den sprichwörtlichen Elefanten im Zimmer, der zwar nicht zu übersehen ist, aber von allen ignoriert wird. Und immer wieder stellt sich die Frage, wie man diesem Elefanten begegnen soll. Jede Protagonistin der gezeichneten Geschichten hat ihren individuellen Weg gefunden, ob sie ihre Stimme erhebt und anklagend mit dem Finger auf den Elefanten zeigt oder sich ganz im Stillen mit der Präsenz des Dickhäuters arrangiert.

Ebony & Ivory: Eine Szene aus dem Beitrag von Priya Kuriyan.
Ebony & Ivory: Eine Szene aus dem Beitrag von Priya Kuriyan.Foto: Spring

Wie man es von früheren Ausgaben der Anthologie gewohnt ist, ist die 13. Ausgabe von „Spring“ nicht nur thematisch vielfältig, sondern weist auch stilistisch eine große Bandbreite auf. Man findet ganzseitige Illustrationen ebenso wie in klassischen Comicpanels erzählte Geschichten. Dazwischen immer wieder einzelne Bilder, die für sich stehen, sowie in drei bis vier Bilder umfassende Strips verpackte Pointen.

Wer die Publikation bereits länger verfolgt, der kann sowohl den vertrauten Stil der regelmäßig beteiligten Zeichnerinnen wie Ulli Lust, Stephanie Wunderlich oder Barbara Yelin wiedererkennen als auch einige in Deutschland bisher wenig bekannte indische Künstlerinnen entdecken. Die Anthologie ist damit einmal mehr eine Fundgrube - die einem in diesem Fall auch Inspiration für die eigene Auseinandersetzung mit dem Elefanten gibt.

Spring No. 13: The Elephant in the Room, 250 Seiten, 20 Euro, Texte auf Deutsch und Englisch, bestellbar unter www.springmagazin.de

Internationale Koproduktion: Der Titel des besprochenen Bandes.
Internationale Koproduktion: Der Titel des besprochenen Bandes.Foto: Spring

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