Comic-Bestenliste : Die besten Comics 2013 - Lutz Göllners Favoriten

Welches sind die besten Comics des zu Ende gehenden Jahres? Das wollen wir von unseren Lesern und von Comic-Kritikern wissen. Heute: Lutz Göllner (zitty).

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In Jagdlaune: Ein Porträt der Hauptfigur von "Parker".
In Jagdlaune: Ein Porträt der Hauptfigur von "Parker".Illustration: Darwyn Cooke / Promo

In den vergangenen Wochen haben wir unsere Leser gefragt, welches für sie die besten Comics der vergangenen zwölf Monate waren. Parallel dazu war wie bereits im vergangenen Jahr wieder eine Fachjury gefragt. Sie besteht aus Anne Delseit (AnimaniA, Comix), Lutz Göllner (zitty), Volker Hamann (Reddition), Matthias Hofmann (Alfonz), Martin Jurgeit (Comix), Stefan Pannor (Spiegel Online), Frauke Pfeiffer (Comicgate), Andreas Platthaus (FAZ) und Lars von Törne (Tagesspiegel).

Jedes Jurymitglied war aufgefordert, unter den im vergangenen Jahr auf Deutsch erschienen Titeln seine fünf Favoriten zu nennen und die Auswahl kurz zu begründen. Daraus ergab sich eine Shortlist, über die die Jury jetzt endgültig abgestimmt hat. Das Ergebnis wurde am Donnerstag im Tagesspiegel veröffentlicht.

Hier dokumentieren wir die Favoriten von Lutz Göllner, Kulturredakteur bei der zitty.

Platz 5
„Gringos Locos“ von Schwartz & Yann (Carlsen)
Es waren einmal drei Comic-Genies – Franquin, Jijé und Morris – die waren des alten Europas überdrüssig und versuchten im Jahr 1948 in der Neuen Welt ihr Glück zu finden. Das hätte vielleicht geklappt, wenn die drei nicht so komplett verzettelt gewesen wären. Yann und Schwartz machen aus der Odyssee der Künstler eine wahnsinnig komische, verpeilte und sehr emotionale Geschichte, auch wenn – wie man aus dem Nachwort erfährt – nicht alles den Tatsachen entspricht.

Platz 4
„Jimmy Corrigan“ von Chris Ware (Reprodukt)
Klare Sache! Comic des Jahres! Der Lieblingsband aller Föjetonisten! Aber ich gebe zu bedenken, dass die Serie „Jimmy Corrigan“ fast 20 Jahre alt ist, der Sammelband hierzulande mit 13 Jahren Verspätung erschien und daher eher in die Kategorie „Klassiker“ einzuordnen ist. Das macht die kluge, depressive und zutiefst bewegende Geschichte natürlich nicht schlechter, aber die große Begeisterung für Chris Wares Buch ist bei mir eben doch schon etwas länger her.

Platz 3
„Saga“ von Brian K. Vaughan und Fiona Staples (Cross-Cult)

Endlich mal was Modernes! Aber alle, wirklich alle, lieben „Saga“, obwohl noch niemand weiß, wie sich diese SciFi-Serie um ein verliebtes Pärchen und sein Baby mal entwickeln wird. Drei Eisner Awards und sechs Harvey Awards waren die bisherige Ausbeute. Von Brian Vaughan selbst als „Star Wars für Perverse“ bezeichnet, punktet „Saga“ auch durch die surrealistischen, farbenprächtigen Zeichnungen der großartigen Fiona Staples.

Platz 2
„Billy Bat“ von Naoki Urusawa und Takashi Nagasaki (Carlsen)
Noch mehr Retro: Urusawas neue Serie (in Japan erscheint sie bereits seit 2008 und es liegen schon elf Bände vor) dreht sich um einen amerikanischen Comic-Zeichner, der entdeckt, dass die Mischung aus Batman und Captain Marvel, die er seit 1949 zeichnet, tatsächlich in Japan lebt. Er macht sich auf die Suche nach der Figur und kommt einer Jahrtausende alten Verschwörung auf die Spur. Die ganz große Kunst dabei ist, wie Urusawa zwischen Humor, Spannung, Metaebene und Nostalgie pendelt. Wird mal ein Klassiker!

Lutz Göllner.
Lutz Göllner.Foto: Daniel Josefsohn/zitty Verlag

Platz 1
„Parker“ von Darwyn Cooke (Eichborn)
Harte Typen, hübsche Mädchen, ein spannender Rache-Plot und das ganze im gerade angesagten Retrostil („Mad Men“) - mehr braucht es doch gar nicht um eher schlichte Gemüter wie mich ins Schwärmen zu bringen. Natürlich hilft es sehr, dass Darwyn Cooke mit diesem Band einen der besten Krimi-Autoren aller Zeiten adaptiert: Richard Stark (d.i. Donald E. Westlake) lieferte mit seinem amoralischen Berufsverbrecher Parker schon in den 60er-Jahren das Rüstzeug, an dem sich moderne Autoren heute noch orientieren.

Weitere Favoriten außerhalb der Wertung:

Bill Watterson: Calvin & Hobbes Gesamtausgabe (Carlsen)
Zwischen 1985 und 1995 zeichnete Bill Watterson den schönsten, komischsten, fantasievollsten (bitte beliebiges Verb zum Ausdrücken der Begeisterung einfügen) Comicstrip aller Zeiten. „C&H“ ist eine Geschichte für die Ewigkeit und die zehn Kilo schwere, leinengebundene Gesamtausgabe etwas, das man auf die einsame Insel mit nimmt – wenn die Gefahr nicht so groß wäre, dass ob des Gewichts das Boot sinkt. Und es macht durchaus Sinn, sein eigenes Leben nach den Regeln von „C&H“ auszurichten: E.M.S.V. (Eklige Mädchen Sollen Verduften), jawoll! Darauf ein Thunfisch-Sandwich.

Ganz zum Schluss noch eine Liebeserklärung: Die sechsbändige Serie „Justice League Of America – Crisis“ von Gardner Fox, Mike Sekowski und vielen anderen (Panini) enthält all die wunderbaren Crossover zwischen Justice League, Justice Society und wie sie alle hießen. In den USA waren das die Hefte, die einen Jungen durch die Sommerferien brachten, und diese Wirkung haben sie auch heute noch.

Die Favoriten der anderen Jurymitglieder veröffentlichen wir nach und nach in den kommenden Tagen. Am 19. Dezember geben wir die Gewinner der Gesamtauswahl bekannt.  Und eine erste Auswahl der Favoriten unserer Leser gibt es hier.

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