Comic-Klassiker : Bergfest beim Prinzen

Die „Prinz Eisenherz“-Ausgabe des Bocola Verlages feiert Halbzeit

Lutz Göllner
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Bilder, die auch heute noch ihresgleichen suchen. Eine Szene aus Band 9.Illustration: Foster/Bocola

Natürlich erkennt man genau daran, wer ein alter Zausel ist. Jungen Lesern braucht man mit „Prinz Eisenherz“, dieser seit 1937 laufenden Zeitungsserie, gar nicht mehr zu kommen. Zu naiv sind die Figuren angelegt, zu bräsig ist der Sprachduktus, zu langsam schreitet die Handlung voran.

Und trotzdem: Es ist doch gerade dieser altmodische Charme, dieser warmherzige, niemals hämische Humor und diese Familienkompatibilität, die „Eisi“ ausmachen. Dies, und natürlich die wunderbar detaillierten Zeichnungen des gebürtigen Kanadiers Hal Foster, der „seinen“ Prinzen immerhin bis zum Jahr 1971 selber gestaltete und noch bis zum Jahr 1978 schrieb. Und genau diese Zeichnungen präsentiert die auf 18 Bände geplante Werkausgabe des Bocola-Verlages - mehr dazu auch unter diesem Link - in noch nie gesehener Schönheit, denn erstmals wird hier auch Fosters grandiose Farbgebung digital restauriert.

Und damit wird - man muss es leider so sagen - die immer noch laufende „Eisenherz“-Gesamtedition im Carlsen Verlag, zu einer reinen Leseausgabe degradiert. Vergleicht man die beiden Ausgaben, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Bei den helleren Szenen kommen die Bonbonfarben der Carlsen-Ausgabe durchaus noch zur Geltung, Fosters meisterhafter Strich ist auch hier gut zu erkennen, aber wenn die Handlung mal in der Nacht spielt, versumpft alles.

Ganz anders in der digital bearbeiteten und immer zwei komplette Jahrgänge umfassenden Neuausgabe: Plötzlich bekommen Fosters Bilder eine Tiefe und Plastizität, die man vorher so nie gesehen hat.

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Neuentdeckung. In der Bocola-Edition bekommen Fosters Bilder eine Tiefe und Plastizität, die man vorher so nie gesehen hat, hier...Illustration: Foster/Bocola

Und plötzlich wird dem Leser klar, warum „Prinz Eisenherz“ ein inzwischen zum Klassiker gewordenes Meisterwerk ist. Es ist Fosters Seiten- und Panelkomposition, die auch heute noch Ihresgleichen sucht. Und natürlich dieser charmante, etwas altertümlich wirkende Chauvinismus, der sich jedoch keine Sekunde lang selber ernst nimmt.

Und selbst das größte Manko aller „Eisenherz“-Editionen will Bocola jetzt beheben: das Verkleinern der originalen Sonntagszeitungsseiten auf regalfreundliches Din-A-4-Format. Zur Feier der Halbzeit gibt es die ersten beiden Jahrgänge „Eisi“ im Originalformat in einer Portfoliomappe, streng auf 700 Exemplare limitiert und zum stolzen Preis von 298 Euro.

Hal Foster: Prinz Eisenherz, bisher 9 Bände. Aus dem amerikanischen Englisch von Wolfgang J. Fuchs. Bocola, Bonn 2006ff. Je 110 Seiten, je 19,90 Euro.

Unser Autor Lutz Göllner ist Kulturredakteur beim Berliner Stadtmagazin zitty sowie Mitglied der Jury des Max-und-Moritz-Preises, der wichtigsten deutschen Comic-Auszeichnung.

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