Comic-Literatur : Höllenjunge in Prosa

Nach unzähligen Comics, diversen Verfilmungen und einer Handvoll Hörspiele mit Mike Mignolas Hellboy gibt des die Prosa-Kurzgeschichten mit dem okkultem Ermittler nun auch auf Deutsch.

Tiefschwarz: Eine der Illustrationen von Mike Mignola.
Tiefschwarz: Eine der Illustrationen von Mike Mignola.Foto: Golkonda

Hellboy ist eine der großen Erfolgsgeschichten des modernen amerikanischen Comics - einer der ersten Hits des anhaltenden Creator-Owned-Trends, dessen Befürworter die rechtliche und kreative Kontrolle an den von ihnen ersonnenen Figuren behalten. Anfang der 90er geschaffen, mauserte sich Mike Mignolas monströser Monsterjäger mit seinem Trenchcoat, seiner mächtigen Wumme und zahlreichen anderen Pulp-Allüren über die Jahre zum Zentrum eines angesehenen Franchise von bestechender Qualität – und zwar bis ins letzte Spin-Off aus dem Dunstkreis der B.U.A.P., der Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen. Sogar zwei große Hollywood-Blockbuster und zwei richtig gute Animationsfilme stehen inzwischen für den Höllenjungen zu Buche, außerdem wurde der rote Held in ein paar atmosphärischen Hörspielen vertont. Seit 1999 wurden in den USA zudem drei Sammlungen mit Prosa-Kurzgeschichten namhafter Autoren veröffentlicht, herausgegeben von Mignolas Kumpel Christopher Golden, mit dem er noch heute erfolgreich an Buchprojekten wie „Baltimore“ oder „Joe Golem und die versunkene Stadt“ zusammenarbeitet.

Kopfkino mit Hellboy

Vor kurzem ist die erste Hellboy-Kurzgeschichtensammlung als „Medusas Rache“ im unermüdlichen Berliner Golkonda Verlag jetzt endlich auch auf Deutsch erschienen. Im Band nähern sich Autoren wie Greg Rucka, Stephen Bissette, Nancy A. Collins, Brian Hodge, Craig Shaw Gardner und Max Allan Collins – allesamt bekannte Namen aus Comic- und Genre-Literatur – auf ihre Weise textlich dem toughen Comic-Helden, der sich seinem vagen Schicksal, aber auch Geistern, Dämonen und den fiesen Seiten der Folklore stellt. Außerdem hat Mignola jede der 14 Storys aus Hellboys Zeit bei der B.U.A.P. in bestechendem Schwarzweiß illustriert. Dass das die einzigen Bilder in der schön aufgemachten Klappenbroschur sind, macht gar nichts, denn die Autoren liefern größtenteils richtig gutes Hellboy-Kopfkino, während der Höllenjunge sich in Manhattan, Neuengland, im Mittelmeerraum oder auf den britischen Inseln mit dem Übernatürlichen balgt und dabei vor allem seine steinerne rechte Hand des Schicksals sprechen lässt. Doch auch Fischmann Abe Sapien, Pyrokinetikerin Liz Sherman und Historikerin Kate Corrigan sind in der einen oder anderen Geschichte mit von der Partie.

Feuer, Fratzen, Frosch-Finale

Happy Birthday, Höllenjunge

„Ich vermisse das Zeichnen“

Der etwas schwachen Titelstory folgen so mal düstere, mal actionreiche Erzählungen, die teilweise sogar die Vibrations von Mignolas besten und stimmungsvollsten Comic-Perlen einfangen können. Die Highlights im vielseitigen Band sind Bissettes fiebriges französisches Puzzle, Ruckas witziger Großstadt-Messi und Nancy Holders heftige Vietnam-Story, derweil Goldens und Mignolas Story erwartungsgemäß nur so vor typischem Hellboy-Flair strotzt.

Fortsetzung erwünscht

Hoffentlich folgen irgendwann auch noch die anderen beiden Hellboy-Anthologien auf Deutsch bei Golkonda, in denen immerhin prominente Namen wie Charles De Lint, Frank Darabont, Brian Keene, Joe R. Lansdale, Tad Williams, China Miéville oder Ken Bruen warten.

Unkaputtbar: Die Titelfigur auf dem Buchcover.
Unkaputtbar: Die Titelfigur auf dem Buchcover.Foto: Golkonda

Hellboy - Medusas Rache, Herausgeber: Christopher Golden, Illustrationen: Mike Mignola, aus dem Englischen von molosovsky u. Verena Hacker, Golkonda, Klappenbroschur, 300 Seiten, 16,90 €

Dieser Text erschien ursprünglich in „Alfonz - Der Comicreporter 1/2013“ (www.alfonz.de). Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Zweitveröffentlichung dieses Textes.

Mehr von unserem Autor Christian Endres findet sich auf seinem Blog: www.christianendres.de.

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