Comic-Musical : Im Netz verheddert

Die Premiere des mit so viel Spannung wie Häme erwarteten „Spider-Man“-Musicals in New York wurde erneut verschoben. Sie ist jetzt für den 14. Juni geplant.

Carla S. Reissman
Lieblingsfeinde: Der Musical-Spider-Man kämpft in diesem Probenfoto gegen den Green Goblin.
Lieblingsfeinde: Der Musical-Spider-Man kämpft in diesem Probenfoto gegen den Green Goblin.Foto: Promo

Die Pläne für „Spider-Man - Turn Off The Dark“ waren im wahrsten Sinne des Wortes hochfliegend: Mit Rocksongs von Bono und The Edge (U2) sowie spektakulären Stunts sollte das Musical alles in den Schatten stellen, was die New Yorker am Broadway jemals gesehen hatten. Das hat es dann auch, allerdings aus eher negativen Gründen: Gerade wurde zum sechsten Mal die Premiere verschoben.

Mit geschätzten Produktionskosten von 70 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) gilt es als das teuerste Musical der Geschichte, aber auch als das gefährlichste: Bisher wurden vier Schauspieler verletzt, einer davon stürzte vor den Augen des entsetzten Vorschauen-Publikums von mehreren Metern Höhe in den Orchestergraben und trug schwere Verletzungen davon.

   Jetzt riss den Produzenten Michael Cohl und Jeremiah J. Harris der Geduldsfaden: Sie feuerten Regisseurin und Co-Drehbuchautorin Julie Taymor („Lion King“). Nicht offiziell natürlich, denn im Theater-Geschäft spricht man in diesen Fällen lieber von einer „Erweiterung des Kreativ-Teams“. Sie holten also Philip William McKinley („The Boy from Oz“) mit an Bord. Der soll jetzt nicht nur rein technisch die Schnüre entwirren, in denen sich „Spidey“ und sein Erzfeind Green Goblin bei den aufwändigen Flug-Nummern immer wieder verhaken. Sondern auch inhaltlich das Konzept von Taymor überarbeiten. Denn auch hier stimmt einiges nicht.

Von Anfang an unter einen schlechten Stern

Theaterkritiker, die offiziell eigentlich erst kurz vor der Premiere in die laufenden Vorschauen dürfen, hatten sich im Februar trotzdem Karten gekauft. Sie setzten noch eine ungewollte Superlative drauf: Taymors Version des fliegenden Superhelden gehöre zu den „schlechtesten Broadway-Musical aller Zeiten“, befand Ben Brantley, der Chef-Kritiker der „New York Times“. Andere Kritiker verrissen den von Taymor eingeführten griechischen Chor als „vollkommen überflüssig“ und die Stunts als Billig-Version der artistischen Darbietungen des kanadischen Zirkusunternehmens Cirque du Soleil.

   Taymor macht übrigens ihrerseits Bono und The Edge für schlechte Zusammenarbeit verantwortlich, weil die während der gesamten Probezeit auf Tour gewesen seien. Vielleicht wollten sich die beiden irischen Rocker räumlich so weit wie möglich von dem Spinnen-Mann distanzieren. Denn von Anfang an stand das Unternehmen unter einen schlechten Stern: In dem Augenblick, in dem Bono im Oktober 2005 den Stift zücken wollte, um den Vertrag mit dem ursprünglichen Produzenten Tony Adams zu unterzeichnen, erlitt der einen Schlaganfall. Zwei Tage später war er tot.

 

Seid verschlungen, Millionen: Die Show - hier ein Werbemotiv von der Website - gilt als das teuerste Musical der Geschichte.
Seid verschlungen, Millionen: Die Show - hier ein Werbemotiv von der Website - gilt als das teuerste Musical der Geschichte.Foto: Promo

  Die Hiobsbotschaften und laufend schlechte Presse hält das New Yorker Publikum allerdings nicht davon ab, in Massen ins Foxwoods-Theater am Times Square zu strömen. Die seit November laufenden Vorschauen - eine übliche Praxis am Broadway - sind regelmäßig ausverkauft. Obwohl sie nicht mal billig sind: Bis zu 300 Dollar kann eine Karte kosten. Mit weit über einer Million Dollar Umsatz pro Woche steht „Spider-Man“ in seinem blau-roten Trikot gar nicht so schlecht da im Vergleich zu anderen Musicals am Broadway. Vielleicht spielt da auch ein bisschen die Sensationslust der New Yorker rein, nach dem Motto: Stürzt wieder einer ab?

   Die endgültige Eröffnung des neuen und verbesserten Musicals „Spider-Man - Turn Off The Dark“ ist nach einer gründlichen Überholung jetzt für den 14. Juni geplant. Bis dahin gehen zumindest finanziell die Lichter noch nicht aus. US-Multimillionär Norton Herrick schrieb im vergangenen Jahr einen Scheck über fünf Millionen Dollar, um die Produktion zu unterstützen. Er ist trotz aller Schwierigkeiten guter Dinge: „Kritiker werden das erst mal nicht verstehen, aber keiner von uns geht pleite, wenn es ein Flop wird“, sagte er der „New York
Times“. (dpa)

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