Comic-Musical : „Spider-Man“ gibt auf

Selten zuvor hat eine Broadway-Produktion so viel Aufsehen erregt: „Spider-Man“ war ein Wagnis, finanziell, technisch und schauspielerisch. So lange das Musical Schlagzeilen machte, strömten die Zuschauer. Das Ende kommt mit einem Millionenverlust.

Gisela Ostwald
Nachkommen. Die Spider-Man-Figur aus dem berühmten Comic hat jeder im Kopf – den Musicaldarstellern wird diese Karriere kaum gelingen. Foto: AFP
Nachkommen. Die Spider-Man-Figur aus dem berühmten Comic hat jeder im Kopf – den Musicaldarstellern wird diese Karriere kaum...Foto: AFP

New York - Halsbrecherische Stunts hoch über den Köpfen der Zuschauer, gigantische Bühnenbilder und bewegende Songs von Bono und U2-Mitstreiter The Edge: Das war „Spider-Man“, die spektakulärste, aber auch teuerste Inszenierung in der Geschichte des Musicals. Am vergangenen Wochenende - Jahre zu früh, um den haushohen Schuldenberg abzutragen - senkte sich ihr Vorhang ein letztes Mal am New Yorker Broadway. Was bleibt, sind Erinnerungen an eine in der Welt des Theaters bisher einmalige Flugakrobatik, an rasante Kulissenwechsel und fantastische Kostüme.

Hunderttausende Besucher, viele von ihnen aus Deutschland, hielten den Atem an, wenn „Spidy“ und seine Verfolger durch den 30 Meter hohen Saal flogen. Auf der Negativseite steht der Zoff mit den Schöpfern der Supershow und ein tiefes Loch im Geldbeutel der Produzenten. Auf 60 Millionen Dollar (44 Millionen Euro) schätzt die „New York Times“ den Verlust, den „Spider-Man“ nach 1268 Vorstellungen zurücklässt.

Schlussakt ohne Bono und The Edge

Ständige Pannen und schwere Verletzungen von Darstellern ließen das Musical von Anfang an unter einem schlechten Stern erscheinen. Ein Schauspieler brach sich die Schädeldecke, Rippen, Schulterblatt und Rückenwirbel, andere „nur“ Fuß und Hand. Schon während der Proben sorgte die bislang bei weitem aufwändigste Produktion des Broadways fast täglich für Schlagzeilen. Als die Technik endlich unter Kontrolle und einige gar zu gefährliche Flugszenen von der Behörde gestrichen waren, wurde es ruhig um „Spider-Man“. Zu ruhig, wie sich bald herausstellte.

Die Neugier wich, die Zuschauerzahl schrumpfte nach etwa eineinhalb Jahren. Dabei hatten die Veranstalter gehofft, im Foxwood, dem größten Theater rund um den Times Square, Abend für Abend 1930 Tickets zu verkaufen. Ihre Rechnung ging nicht auf. Zu hoch waren die Vorab-Investitionen in das Megaspektakel: Über 75 Millionen Dollar statt der sonst üblichen 10 bis 15 Millionen einer Broadway-Produktion. Zu hoch auch die laufenden Kosten von mehr als einer Million Dollar pro Woche.

Im November kündigten die Veranstalter das Aus an. Am vergangenen Samstag, nach drei Jahren und zwei Monaten, jagten Spider-Man und seine Widersacher ein letztes Mal so hoch und so schnell über den Köpfen der Zuschauer hinweg, dass vielen der Atem stockte. Dicke Drahtseile und 30 Motoren hatten die computergesteuerten Flüge der Hauptdarsteller und ihrer Doubles ermöglicht.

Star-Regisseurin Julie Taymor, die mit dem „König der Löwen“ ihren ersten Volltreffer landete, hatte auch bei „Spider-Man“ weder Ausgaben noch Risiken gescheut. Als es immer wieder Streit mit den um ihr Leben besorgten Akteuren gab, musste sie gehen. Verärgert blieb sie dem Schlussakt ihrer Inszenierung fern. Auch Bono und The Edge waren bei der letzten Veranstaltung nicht zu sehen, berichtete die „New York Times“ am Montag. Dabei hatten die beiden U2-Musiker mit ihren für das Musical geschriebenen Songs viel Lob von der Kritik geerntet.

Dafür kamen Reeve Carney, der die ersten Jahre Peter Parker alias Spider-Man gespielt hatte, und Patrick Page, der ehemalige Green Goblin, mit Blumen auf die Bühne. Ende gut, alles gut? Vielleicht doch, verriet die „New York Times“ aus Insiderkreisen. Demnach verhandeln die Produzenten und Investoren des Musicals mit einem Kasinobesitzer in Las Vegas. Sollte der Deal gelingen, könnte sich Spider-Man 2015 wieder durch die Lüfte schwingen, dann allerdings umgeben von Wüste statt Wolkenkratzern. (dpa)

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