Comic „Nameless“ : Schall und Rauch

Für den Horror-Science-Fiction-Comic „Nameless“ bedient sich Grant Morrison großzügig bei sich selbst und anderen britischen Autoren, die den modernen Comic geprägt haben.

„Swamp Thing“ lässt grüßen: Eine Szene aus "Nameless".
„Swamp Thing“ lässt grüßen: Eine Szene aus "Nameless".Foto: Cross Cult

Grant Morrison, berühmt für seine Ende der achtziger Jahre in Superheldencomics wie „Doom Patrol“ und „Animal Man“ eingebrachten postmodernen Ansätze, zählt neben „Sandman“-Erfinder Neil Gaiman und „From Hell“-Autor Alan Moore zu dem Dreigestirn britischer Künstler, welches es im Comic und über die Grenzen der Kunstform hinaus zu Prominenz gebracht hat.

Ein Asteroid auf Kollisionskurs

Zwischen Moore und Morrison besteht Konkurrenz: Was dazu führte, dass Morrison dessen Klassiker „Watchmen“ nachstellte, und zwar im Heft „Pax Americana“ von 2015. Beide Autoren sind zudem der Magie gegenüber nicht abgeneigt. Bei Moore äußerte sich dies dahingehend, dass er für die Serie „Swamp Thing“ den Okkultismus-Detektiv John Constantine erdachte, der später in der Reihe „Hellblazer“ sein Unwesen treiben sollte.

Verfasst mit Zeichner und Co-Autor Chris Burnham liegt nun Morrisons „Nameless“ als schmuckes deutsches Hardcover mit Prägedruck vor; die Seiten sind jedoch gegenüber dem Originalformat leicht verkleinert.

Tolle Farben: Die Kolorierung von Nathan Fairbairn überzeugt.
Tolle Farben: Die Kolorierung von Nathan Fairbairn überzeugt.Foto: Cross Cult

Die Haupt- und titelgebende Figur, Nameless, ist hier, Simsalabim, ein Experte für das Okkulte. Der sich der Erde nähernde Asteroid Xialba befindet sich auf Kollisionskurs; ein Team aus Spezialisten soll das, auch unter Zuhilfenahme von Magie, abwenden. Es kommt unter anderem zu grausigen ritualartigen Morden, und die in Blut an die Wand geschmierten Beschwörungsformeln sind in der henochischen Sprache der Engel verfasst, deren Wort „Zirom“ man rückwärts wie die erste Hälfte von Morrisons Nachnamen lesen kann.

Es riecht nach „Hellblazer“-Abklatsch

Derartige Spielereien, nebst ausladendem Anhang mit Erklärungen zu den Quellen, derer sich der Autor bediente, machen „Nameless“ zu einem typischen Morrison-Werk. Leider aber verzettelt er sich etwas arg, sodass man bald den Faden verliert und eher den Farben Nathan Fairbairns Augenmerk schenkt, der zu Recht als Mitautor genannt wird. Fairbairns Farbgebung verleiht den Zeichnungen Chris Burnhams Pfiff, ohne diese sähe Letzterer arg nach einem Frank-Quitely-Adepten aus; ein weiterer häufiger Kollaborateur von Morrison.

Das Cover des besprochenen Buches.
Das Cover des besprochenen Buches.Foto: Cross Cult

Ansonsten riecht es hier zu oft nach einem „Hellblazer“-Abklatsch oder dem Nacheifern von Lovecraft'schen Comicadaptionen wie Alan Moores „Providence“, und die exzessiven, aber seltsam unspektakulär wirkenden Gewaltexzesse lassen an Serien wie „Crossed“ von Garth Ennis denken – nebst dessen bevorzugter Darstellung der erzwungenen analen Penetration von Männern.

Wer also eine Art Zusammenstellung großer Comicerfolge britischer Künstler in komprimierter Form und schicker Verpackung sucht, ist mit „Nameless“ gut bedient. Das Nachwort von Nathan Fairbairn, in dem er den Gestaltungsprozess des Covers erläutert, ist übrigens richtig gut. 

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Morrison/Burnham/Fairbairn: Nameless, Cross Cult. HC, 192 Seiten, 25,00 Euro

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