Comic-Reihe : Das Fräulein mit der Peitsche

Prostituierte wider Willen: Die Reihe „Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An“ ist ein pechschwarzes Meisterwerk in strahlenden Bildern. Jetzt ist der dritte Teil erschienen.

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Sinistre Praktiken: Eine Seite aus dem aktuellen dritten Band.
Sinistre Praktiken: Eine Seite aus dem aktuellen dritten Band.Foto: Reprodukt

Es wieder düsterer in Paris, denn Blanches Konkurrentinnen im Edelbordell „Pompadour“ greifen zu sinistren Praktiken, um der inzwischen landesweit bekannten Attraktion ihres Hauses zu schaden. Niemand weiß genau, wie und wo dieser Höllenritt enden wird, denn das Autorenteam Kerascoët und Hubert beweisen auch im dritten Teil dieser Ausnahmeserie (mehr über die ersten beiden Bände hier) ihr Talent für  gelungene Cliffhanger. Blanche lernt im aktuellen Band die Liebe kennen. Antoine, einer ihrer Kunde schleicht sich in ihr früh verhärmtes Herz ein. Aber ihre tragische Geschichte wäre nicht glaubhaft, wenn sich nun alles in einer pastellfarbigen, fluffigen Idylle auflösen würde.

Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An bleibt eine pechschwarze Serie in strahlenden Farben. Neben dem neuen Gefühl der Hingezogenheit zu einem jungen, vermögenden Mann kommt Blanche auch wieder mit ihrer Mutter in Kontakt. Diese trat die Reise in die Metropole an, um die beiden Schwestern zu besuchen - ohne Wissen vom grausamen Tod eines ihrer Kinder. 

Soziologische Miniaturen: Eine Seite aus dem Album.
Soziologische Miniaturen: Eine Seite aus dem Album.Foto: Reprodukt

Aber trotz aller emotionalen Öffnung bleibt Blanches Leben in Paris eine Qual. Ihr neuer Schwarm kokettiert mit ihrem Ruhm als unberührbare englische Lady vor seinen begüterten Freunden, stellt sie aus und demütigt sie - vielleicht unbewusst, dennoch ist Blanche tief gekränkt. Ihre Mutter erweist sich als geldgierige, sexversessene Parasitin, die sich in Blanches kleiner Wohnung zunehmend selbstgefällig gebärt. Hier gibt es keinen Rückhalt, es herrscht reine Selbstbedienungsmentalität. Aber auch Antoines Mutter erweist sich als Hindernis, sie will eine Vermählung zwischen ihrem Sohn und der Prostituierten wider Willen unter allen Umständen verhindern und verscheut dabei auch nicht die härtesten Bandagen.

Trotz aller Probleme versucht Blanche, ihre Lebensfreude zu erhalten, jedoch zerbricht sie fast daran, als Antoine spurlos verschwindet. Es bleibt spannend und erhellend, denn wie schon in den ersten beiden Bänden finden sich auch hier wieder präzise, wache und kritische soziologische Miniaturen, die Serie erweist sich als qualitativ noch einmal gewachsener Qualitätsgarant.

Kerascoët (Marie Pommepuy und Sébastien Cosset) und Hubert: Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An, Band 3: Der Märchenprinz, aus dem Französischen von Kai Wilksen, Handlettering von Dirk Rehm , 48 Seiten, 12 Euro. Mehr unter diesem Link.

Zur Rezension der ersten beiden Bände geht es hier.

Mehr von unserem Autor Markus Dewes finden Sie auf seinem Blog derdigitaleflaneur.blogspot.com, mehr seiner Beiträge für den Tagesspiegel gibt es unter diesem Link.

 

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