Comic-Reiseführer : Mit Hugo Pratt und Isabel Kreitz um die Welt

Reiseführer von Comiczeichnern gestaltet? Die Verlage Lonely Planet und Casterman haben das Experiment gewagt - aber leider nur ein halbherziges Ergebnis produziert.

Thomas Greven
Auf den Spuren des Corto Maltese: Für den Venedig-Band wurden Zeichnungen von Hugo Pratt verwendet.
Auf den Spuren des Corto Maltese: Für den Venedig-Band wurden Zeichnungen von Hugo Pratt verwendet.Foto: Casterman

Es klingt nach einer richtig guten Idee: Warum nicht Reiseführer herausgeben, die von Comiczeichnern grafisch gestaltet werden? Statt der immer gleichen Fotos von sattsam bekannten Sehenswürdigkeiten gibt es Kreativität und Fantasie, ermöglicht durch die größeren Freiheiten einer zeichnerischen Umsetzung. Für dieses Projekt entstand eine Partnerschaft zwischen den Spezialisten für „jungen“ Tourismus, Lonely Planet, und dem belgischen Comic-Giganten Casterman. Zum Teil konnten Zeichner mit einer Affinität zur jeweiligen Stadt oder jedenfalls zum Land gewonnen werden, die in den vergangenen zwei Jahren bislang zehn Reisefürer - die bisher nur auf Französisch vorliegen - auf diese Weise gestaltet haben: Jacques Martin („Alix“) für Rom, Jacques Ferrandez („Im Jahr der Flammen“) für Marrakesch, Isabel Kreitz („Die Entdeckung der Currywurst“, „Haarmann“) für Berlin, Francois Schuiten für Brüssel, und nicht zuletzt posthum auch Hugo Pratt („Corto Maltese“) für Venedig. Was kann da noch schiefgehen?

Leider so einiges, wenn am Ende der Mut fehlt, etwas wirklich Außergewöhnliches zu versuchen. Von Comics ist nämlich nicht viel zu sehen, es überwiegen pastellige Einzelbilder. Nicht, dass diese nicht schön anzusehen wären – und es gibt durchaus auch Ausflüge in Reiseführer-untypische Gefilde, ganz im Sinne der inhaltlichen Ausrichtung auf „alternative“ Touristen und Hipster (obwohl Comic-Fans oft ja eher Nerds sind). In Montréal begegnet uns zum Beispiel Leonard Cohen, und eine Wegbeschreibung zu Drawn & Quarterly, dem kleinen Comic-Verlag, dem wir so viel Meisterliches verdanken, findet sich auch. Aber die hätt’s im Internet ja auch gegeben.

Verschenkte Chance: Isabel Kreitz steuerte die Illustrationen für den Berlin-Band bei.
Verschenkte Chance: Isabel Kreitz steuerte die Illustrationen für den Berlin-Band bei.Foto: Promo

Die Möglichkeiten, welche die Zusammenarbeit von kenntnisreichen Autoren und Comic-Zeichnern bietet, sind wohl doch begrenzt, wenn die Autoren keine Geschichten schreiben, sondern gewohnt sind, ihre Entdeckungen und „Geheimtipps“ zu beschreiben. Aufgeben sollte man die Idee nicht – vielleicht findet sich einmal ein Autorenpaar, das wenigstens einen Teil eines Reiseführers mit kreativer zeichnerischer, erzählerischer und kompositorischer Energie gestaltet. Berlin würde sich doch anbieten, oder nicht?

Eine Auswahl dieser Reiseführer, die jeweils rund 160 Seiten haben und je 15-16 Euro kosten finden sich samt Leseproben auf der Website des Casterman-Verlags.

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