Comic-Salon Erlangen : Früher war mehr Lametta, heute ist mehr E-Comic

30 Jahre Comic-Salon Erlangen - Zeit für einen Ausblick auf die Zukunft der Kunstform. Das erste Panel des Festivals lotete die Chancen digitaler Verbreitungswege aus, aber auch deren Risiken.

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Richtungsweisend? Eine Szene aus Daniel Lieskes "Wormworld Saga".
Richtungsweisend? Eine Szene aus Daniel Lieskes "Wormworld Saga".Foto: Daniele Lieske

Vor zehn Jahren wurde der geneigte Besucher des Comic-Salons Erlangen bereits am Bahnhof von überdimensionalen Comic-Figuren begrüßt: von Asterix, Obelix oder den Schlümpfen. Wehende Fahnen säumten den Weg zum Hauptveranstaltungsort, der Heinrich-Lades-Halle. In den letzten Jahren wurden die Fahnen immer weniger und auch der Bahnhofsvorplatz ließ nichts mehr von dem größten deutschsprachigen Comicfest erahnen. Zum 30. Geburtstag des Salons hat man nun fast völlig auf solches Lametta verzichtet.

Dafür besinnt sich Erlangen auf seine Kernkompetenz: Ein Comic-Fest für die Zeichner und ihre Besucher zu feiern. Letztere bildeten am Donnerstag in der Mittagssonne eine Menschenschlange vor dem Rathaus und warteten geduldig darauf, dass die Toren sich öffneten. Drinnen wurden die letzten Vorkehrungen für den Ansturm getroffen.

Auch wenn die Liste der internationalen Zeichner in diesem Jahr wieder lang ist (Joe Sacco, Jacques Tardi, Klaus Janson und weitere), so bleibt Erlangen doch das Klassentreffen der deutschen Comic-Szene. Während den Besuchern die Neuerscheinungen höflich feilgeboten werden, begrüßten sich viele Zeichner-Kollegen herzlich. Weil der Salon nur alle zwei Jahre stattfindet, gibt es viel zu erzählen. Zu dem Gesamtpaket gehören neben dem Kontakt zu Zeichnern und den Ausstellungen auch Künstlergespräche und Diskussionsrunden.

Ihhhh, Comics?

Der Schwerpunkt der ersten Diskussionsrunde „Comic 2.0“ sollte auf „E-Comics“ liegen. Unter lautmalerischen Gesichtspunkten betrachtet, erinnert der Begriff weniger digitale Comics, sondern eher an einen Verbalauswurf: Ihhhh, Comics? Leider wurde zu Beginn der Debatte nicht vernünftig zwischen den digitalen Comics unterschieden: zwischen Comics, die im Internet veröffentlicht werden („Webcomics“), und digitalen Versionen von gedruckten Comics auf Tablets und Smartphones. So lief die Debatte zeitweise zweigleisig.

Immer wieder bedurfte es klärender Worte, um die unterschiedlichen Diskussionen zusammenzufügen. Passen wollte es trotzdem nicht ganz. Während die eine Hälfte der Gäste lieber über Gewinnmargen von E-Comics sprechen wollte, bezog sich die anschließende Erwiderung auf das Geldverdienen mit Webcomics. Erst Comiczeichner Daniel Lieske bemängelte die fehlende Trennschärfe: E-Comics sind der Massenmarkt, Webcomics müssen ihre Nische nutzen.

Wo geht die Reise hin? Die Teilnehmer des E-Comic-Panels.
Wo geht die Reise hin? Die Teilnehmer des E-Comic-Panels.Foto: Daniel Wüllner

Im Laufe der Diskussion zeigte sich trotzdem die ganze Vielfalt der unterschiedlichen Formate: Während David Boller (Zampano Comics) sowohl Comics online anbietet als auch mit dem amerikanischen Digitalvertrieb Comixology verhandelt, betreibt Daniel Lieske eine eigene „preisgekrönte“ App für seine Wormworld Saga. Der Zeichner Felix Mertikat experimentiert für Net Wars mit verschiedenen Medien. Die Zuhörer bekamen einen Crashkurs über das Skalieren von Druck-PDFs, über die Anforderungen von Apple an neue Apps und über die Knebelverträge von Amazon.

Warnend wirkten die Worte von Roland Schäffer (Panini Comics), der sich für ein einheitliches E-Comic-Format aller deutschen Verlage aussprach. Denn der amerikanische Marktführer Comixology hat sich im April mit Amazon zusammengetan und bereits nach Frankreich expandiert. Deutschland ist der nächste logische Schritt. Natürlich vergaß er nicht zu erwähnen, dass gedruckte Comics weiterhin das Kerngeschäft bleiben werden.

Und was hat der Leser nun von diesen E-Comics? Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren Lieblingscomic am Tag der Veröffentlichung auf dem iPhone lesen. Mit einem Wischen wechseln Sie zwischen den Sprachen und springen wie im Hypertext zu verschiedenen Stellen innerhalb der Geschichte. Hypertext war gestern. Doch der E-Comic sei jetzt, versicherte Moderator Harald Havas. Früher war eben mehr Lametta und heute ist dafür halt mehr E-Comic.

Der Internationale Comic-Salon 2014
Lesestoff. Am Sonntag endete nach vier Tagen der Internationale Comic-Salon Erlangen - mit 25.000 offiziell gezählten Besuchern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: Lars von Törne
23.06.2014 10:01Lesestoff. Am Sonntag endete nach vier Tagen der Internationale Comic-Salon Erlangen - mit 25.000 offiziell gezählten Besuchern.

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