Comic-Thriller : Drei Engel für Ingres

Eine durchgestyltere, frivolere, melancholischere, überdrehtere und überraschendere Räuberpistole als „Die große Odaliske“ hat man lange nicht gelesen.

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Ritt ins Verderben: Eine Szene aus dem besprochenen Buch.
Ritt ins Verderben: Eine Szene aus dem besprochenen Buch.Foto: Reprodukt

Hätten sich der krawallige Off-Kino-Erotomane Russ Meyer und der unterkühlte Hollywood-Ästhet Steven Soderbergh zusammengetan, um eine Neu-Interpretation der Fernsehserie „Drei Engel für Charlie“ zuschreiben, herausgekommen wäre fraglos so etwas wie „Die große Odaliske“, das neue Buch der Franzosen Bastien Vivès, Florent Ruppert und Jérôme Mulot.

Im Zentrum der Geschichte stehen Carole und Alex, Expertinnen für Museumseinbrüche im großen Stil. Gerade erst haben sie Manets „Picknick im Grünen“ einer Privatsammlung zugeführt – was beinahe schief lief, weil Alex während des Bruchs von ihrem Freund per SMS abserviert wurde – da kommt auch schon der nächste Auftrag.

Gemeinsam mit der Motorradartistin Sam sollen sie „Die große Odaliske“, das berühmte Ingres-Gemälde, aus dem Pariser Louvre entwenden. Bei den Vorbereitungen lernt das Trio waffenschiebende Botschaftersöhne kennen, reist auf die Kanaren und nach Mexiko, steigt – als sei es das Normalste der Welt – an die Spitze eines Drogenkartells auf und hat trotzdem noch genug Zeit für Discobesuche und diverse Techtelmechtel mit Gangstern und untereinander.

Vergnügliche Lektüre: Das Buchcover.
Vergnügliche Lektüre: Das Buchcover.Foto: Reprodukt

Dass das nicht gut ausgehen kann, ist klar.  Nach allzu viel Tiefgang sollte man in diesem Loblied des Hedonismus zwar nicht suchen, doch dafür sieht der Ritt ins Verderben mit seinen reduzierten, sanft kolorierten Zeichnungen

verdammt gut aus. Wem „Ocean’s Eleven“ zu brav und „Faster, Pussycat! Kill!Kill!“ zu vulgär war, für den dürfte das hier genau die richtige Mischung für eine vergnügliche Lektüre sein. Frei nach Brecht: Erst kommt die Lebensfreude, dann kommt die Moral.

 Bastien Vivès, Florent Ruppert, Jérôme Mulot: „Die große Odaliske“, Reprodukt, 122 Seiten, 20 Euro.

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