Comic-Thriller : Kampf ums Weiße Haus

Der Polit-Thriller „Right State“ erzählt eine Geschichte mit Bezügen zur politischen Realität der USA, die einige spannende Themen streift. Das Ergebnis ist jedoch enttäuschend.

Thomas Greven
Gespaltenes Land: Vor der Folie aktueller Auseinandersetzungen wird der Thriller-Plot entwickelt.
Gespaltenes Land: Vor der Folie aktueller Auseinandersetzungen wird der Thriller-Plot entwickelt.Foto: Vertigo

Die gesellschaftliche und politische Spaltung der USA ist seit der Präsidentschaft Bill Clintons stetig gestiegen, trotz oder gerade weil sich die Gesellschaft insgesamt liberalisiert. Mit Barack Obama im Weißen Haus hat die Polarisierung einen traurigen Höhepunkt erreicht. Es sind meist konservative weiße Männer, die den Verlust ihrer Dominanz befürchten – zu Recht, denn für das Jahr 2050 wird prognostiziert, dass die Summe der Minderheiten größer sein wird als die Gruppe der weißen Amerikaner – und sich dagegen stemmen. Der Schlachtruf der Tea Party-Bewegung, „Wir wollen unser Land zurück“ symbolisiert diese Haltung und deutet schon den andere ausschließenden Extremismus an, der darin steckt. Denn wer ist „Wir“ und von wem wollen „wir“ das Land zurück?

Der Comic „Right State“ von  Mat Johnson, Amerikaner mit irisch-afrikanischen Wurzeln und Autor von Romanen und Comics wie „Incognegro“, der sich bereits dort und in seiner Version der Hellblazer-Reihe mit dem Thema „Race“ auseinandergesetzt hat, und des italienischen Zeichners Andrea Mutti greift diese konfliktgeladene Gemengelage auf. Er behandelt ein Komplott extremistischer weißer „Milizen“ gegen den US-Präsidenten, der hier, wie schon zuvor in der TV-Serie „24“, bereits der zweite Afro-Amerikaner im Weißen Haus ist – wir schreiben das Jahr 2020. Leider ist „24“ auch sonst die angemessene Folie, vor deren Hintergrund man den Band diskutieren muss. Er zeigt, dass es eben nicht für Comic-literarische Qualität ausreicht, das Ganze „Graphic Novel“ zu nennen und sich einen Hardcover-Einband zu gönnen. So funktioniert vielleicht das Marketing des Produkts, für das man dann auch mehr als 20 Euro hinlegen soll, und das für nicht einmal 150 schwarz-weiße Seiten.

Ein Hardcover ist noch kein Qualitätsmerkmal: Der Buchtitel.
Ein Hardcover ist noch kein Qualitätsmerkmal: Der Buchtitel.Foto: Vertigo

Die Geschichte ist, vor allem in der zweiten Hälfte, durchaus spannend, mit netten grafischen Anspielungen unter anderem auf „Pulp Fiction“, aber die Charaktere und Dialoge sind schablonen- und klischeehaft. Das Einstiegsbild verfallender Industriearchitektur hatte noch eine komplexere Betrachtung der derzeitigen amerikanischen Misere erwarten lassen, doch danach folgt arg Konventionelles. Die Zusammenhänge werden zu stark vereinfacht, z.B. die religiöse Rechte und die „Militia Movement“ vermischt. Für junge Erwachsene kann die Mischung von Action, Spannung und Politik dennoch vielleicht einen Einstieg in ernsthaftere Auseinandersetzungen bieten.

Mat Johnson/Andrea Mutti: Right State, Vertigo, 144 Seiten, rund 20 Euro

Unser Gastautor Dr. Thomas Greven ist Senior Research Fellow am Institut für Internationale Politik, Berlin, und Privatdozent am John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin. Mehr Texte von ihm zu politischen und sozialen Themen im Comic finden sich unter diesem Link. 

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