Comic-Thriller „Wonderball“ : Den Superkillern auf der Spur

Das Kennedy-Attentat war nur der Anfang: Der Comic-Thriller „Wonderball“ ist straighte Krimi-Kost mit Science-Fiction-Einschlag.

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Und Action: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Und Action: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Schreiber & Leser

Inspektor Spadaccini ist ein harter Hund. Nach seiner Zeit in der Armee kommt er zum Secret Service, wo er 1963 beim Attentat auf US-Präsident Kennedy in der ersten Reihe steht. Zwanzig Jahre später ist der starrsinnige, gewaltbereite Spadaccini bei der Polizei der kalifornischen Metropole San Francisco – und die Hauptfigur des Comics „Wonderball“, der jetzt auf Deutsch bei Schreiber & Leser erschienen ist.

Die Presse bezeichnet Spadaccini als Crazy Cop, seine Kollegen nennen ihn dagegen Wonderball, da Spadaccini eine abwegige Vorliebe für die Süßigkeit hegt, die man als amerikanisches Überraschungs-Ei bezeichnen kann. Im Sommer 1983 wird Spadaccini mit einem seltsamen Fall konfrontiert, der Erinnerungen an Dallas weckt. Mitten in San Francisco legt ein Scharfschütze auf Passanten an und tötet neun Opfer in neun Sekunden. Seine Ermittlungen machen Spadaccini schnell selbst zur Zielscheibe einer Gruppe, die verschleiern möchte, dass sie bereits vor dem Attentat auf Präsident Kennedy leistungsfähige, oft jedoch mental instabile Superkiller erschaffen hat ...

Jean Giraud als großes Vorbild

Im Grunde ist „Shooter“, das erste Hardcover-Album der im französischen Original bis dato vierteiligen Serie „Wonderball“, ein klassischer, plakativer Verschwörungs-Thriller mit einer ausgesprochen mainstreammäßigen Science-Fiction-Komponente. Handwerklich ist die Geschichte der Szenaristen Jean-Pierre Pécau und Fred Duval straighte Krimi-Kost. Wer ein Faible für das Action-Kino der 80er hat, wird gut unterhalten.

Dazu passen auch die Zeichnungen des 1949 in Neuseeland geborenen Colin Wilson, der zu den beliebtesten Künstlern im Alben-Bereich zählt. Seine Karriere begann Wilson mit Science-Fiction-Beiträgen zu Figuren wie Judge Dredd für das legendäre britische Comic-Magazin „2000 AD“, das Ende September seine 2000. Ausgabe feierte.

Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes der Reihe.
Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Bandes der Reihe.Foto: Schreiber & Leser

Darüber hinaus bebilderte Wilson die von Ed Brubaker verfasste Superhelden-Spionage-Miniserie „Point Blank“, Krimis wie das verfilmte „Blei im Schädel“ von Autor Matz, „Star Wars“-Comics und die Alternativwelt-Serie „Tag X“, die ebenfalls mit dem Kennedy-Attentat begann. Außerdem zeichnete der Neuseeländer die europäischen Comic-Ikonen Tex und Blueberry, Letzterer unsterblich gemacht von Wilsons Vorbild Jean „Moebius“ Giraud.

Wilson und harte Kerle mit Ecken und Kanten, das passt immer gut zusammen – und macht auch das routiniert bebilderte „Shooter“ zu einer gefälligen Lektüre.

Jean-Pierre Pécau, Fred Duval und Colin Wilson: Wonderball, Schreiber & Leser, Band 1: 56 Seiten, 14,95 Euro. Band 2 ist für Frühjahr 2017 angekündigt.

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