Comic-Zeitschrift : Das lustige Männermagazin

Die Zeitschrift „Donald“ soll das Genre wenn nicht revolutionieren, so doch entifizieren - mit prominenter Unterstützung unter anderem durch „Die Ärzte“ und Bettina Zimmermann, die einen Hauch Erotik nach Entenhausen bringt.

Andreas Kötter
Wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Die Ärzte im Interview mit dem Namensgeber der neuen Zeitschrift.
Wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Die Ärzte im Interview mit dem Namensgeber der neuen Zeitschrift.Foto: Donald

Männer- oder Lifestylemagazine sind eine deprimierende Angelegenheit. So wird Mann dort mit Fitnesstipps bombardiert, die höchstens beherzigen könnte, wer sonst nichts zu tun hat. Ebenso frustrierend sind die Ratgeber, die „Sex sofort“ mit Traumfrauen versprechen, die man dann aber höchstens mal im Kino trifft, auf der Leinwand. Und schließlich die typischen Produktinformationen. Autos, Uhren oder Klamotten werden dort vorgestellt, die sich außer einem Dagobert Duck, seines Zeichens die reichste Ente des Planeten, ohnehin kaum einer leisten kann. Und wo Onkel Dagobert, da ist Neffe Donald nicht weit. „Donald – Das Lifestylemagazin aus Entenhausen“ lautet der Titel des etwas anderen Männermagazins, das der Berliner Egmont Ehapa Verlag angesichts des in Kürze bevorstehenden 60. Geburtstags seines „Micky Maus Magazins“ nun in einer Auflage von 120 000 Exemplaren zum Preis von fünf Euro an die Kioske bringt.

Das könnte passen. Schließlich ist bekannt, dass Ehapa-Titel wie das „Donald Duck-Sonderheft“ oder „Das Lustige Taschenbuch“ zur Hälfte von Erwachsenen gekauft werden. Was liegt da näher, als dieser „entifizierten“ Zielgruppe nun ein entsprechendes Lifestyleheft an die Hand zu geben? Peter Höpfner ist jedenfalls überzeugt von „Donald“. „Dies ist wirklich das ungewöhnlichste Magazin aus Entenhausen, welches es je gab“, sagt der Chefredakteur bei Egmont Ehapa. „Inspiriert wurden wir von ähnlichen Heften aus Holland und Finnland – dieses Konzept haben wir mit großem Spaß deutlich weiterentwickelt. Wie gut das funktioniert, haben wir auch an den zahlreichen Prominenten bemerkt, die sich sehr gerne mit Donald haben abbilden lassen.“ Höpfner spielt an auf eine Reihe exklusiver Interviews, etwa mit der Berliner Rockband „Die Ärzte“, dem ebenfalls in Berlin ansässigen Modedesigner Michael Michalsky oder dem Comedian Simon Gosejohann. Durchaus launige Gespräche sind das, meist charmant und selten albern und einmal sogar mit echtem News-Charakter: „Die Ärzte“ verraten, dass fürs nächste Jahr mit einem neuen Album zu rechnen ist. Selbstredend, dass diese Gespräche kein geringerer geführt hat als Chefreporter Donald.

Auch die „Duckileaks“, die unter anderem verraten, dass von der „Micky Maus“ seit 1951 mehr als 1,2 Milliarden Hefte verkauft wurden, oder eine gezeichnete Modestrecke, bei der Karl Lagerfeld, Dolce & Gabbana und Co. als Figuren aus dem Disney-Kosmos auftreten (Lagerfeld ist der „große, böse Wolf“ erschreckend lebensecht auf den Leib geschneidert) oder Daisy Duck als Centerfold zeigen, dass „Donald“ vor allem eins sein will: eine erfrischende Parodie auf typische Männermagazine wie „GQ“, „FHM“ und Co.

Eine schöne Idee, die aber buchstäblich auf halbem Weg der 132 Heftseiten stecken bleibt. Schon die Idee, Klassiker der Hoch- und Popkultur zu parodieren – auf dem Cover des epochalen „Nevermind“-Albums von Nirvana etwa schwimmt statt des Menschen-Babys ein taufrischer Dagobert hinter dem Geldschein her – ist nicht besonders originell. Und die typischen Bildstrecken mit Autos, Brillen, Düften und Uhren, die man von der Konkurrenz kennt, langweilen ebenso wie der Versuch, mit der Schauspielerin Bettina Zimmermann, aufgepeppt als Minni oder Daisy, einen Hauch von Erotik durch den züchtigen Disney-Kosmos wehen zu lassen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Donald auf ureigenstem Terrain immer noch am besten ist: im Comic. So ist die 25-seitige, selbstreferenzielle Story, die Onkel Dagobert als Herausgeber der „Micky Maus“ ausweist, das unbestrittene Highlight. Kurzum, es sollte bei dieser einen, vom Verlag ohnehin zunächst als Oneshot verstandenen Ausgabe bleiben. Wer weiß, vielleicht ist die dann in 60 Jahren ähnlich viel wert wie die erste Ausgabe der „Micky Maus“ von 1951. Für die sollen unter Sammlern heute bis weit über 13 000 Euro aufgerufen werden.

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