Comicbibliothek : Hellboy zum Ausleihen

Ein Berliner betreibt Deutschlands einzige Comicbibliothek. Mittlerweile gibt es 15000 Bände zur Auswahl.

Carolin Bauer
Bundesweit einzige Comicbibliothek bewahrt in Berlin rund 15.000 Hefte und Buecher auf Foto: ddp
Postkarten vorm Eingang der "Renate".Foto: ddp

Peter Lorenz zieht ein knallfarbenes Comic-Heft aus den 50er Jahren aus einem Bücherregal. „An diesem kann man sehen, wie das Manga-Zeug angefangen hat“, sagt er und blättert durch die illustrierten Seiten. Der 45-Jährige, in der Zeichner-Szene auch als Peter „Auge“ Lorenz bekannt, steht in Deutschlands einziger Comicbibliothek. 1992 hat er die „Renate“ in Berlin gegründet. Seither können Fans dort Comics von regionalen bis zu internationalen Zeichnern ausleihen.

Lorenz legt den japanischen Comic mit dem blau-roten Einband zur Seite. Das Heft, dessen Cover eine sich streckende Animefigur mit geballten Fäusten ziert, ist trotz seines Alters für den Comic-Experten kein gehüteter Schatz. „Es ist nicht unser Ziel, wertvolle Sachen zu haben, sondern ein breites Spektrum anzubieten“, sagt er. Die Bibliothek in Mitte wurde gegründet, „um das Medium Comic bekannt zu machen“. Derzeit können die etwa 1200 registrierten Nutzer aus einem Angebot von rund 15 000 Heften wählen.

Die Atmosphäre in den beiden kleinen Räumen ist angenehm ungezwungen und offen. Während im ersten Zimmer unter anderem Comics, T-Shirts und Postkarten verkauft werden, beherbergt der zweite Raum - ein paar Treppenstufen weiter oben - die eigentliche Bibliothek. In den Regalen reihen sich Mangas, historische und fremdsprachige Comics sowie Abenteuer- und Science-Fiction-Geschichten. Darunter sind bekannte Titel wie „Hellboy“, „Persepolis“ und „Watchmen“. Auch in Fachzeitschriften wie „The Comics Journal“ oder „Reddition“ kann geschmökert werden. Die Hefte bekommt Lorenz meist geschenkt, gespendet oder er finanziert sie über die Nutzungsgebühren. Bis 1994 wurde die Bibliothek vom Staat finanziell unterstützt. Damals habe er mehr kaufen können, sagte der 45-Jährige.

Jeden ersten Montag im Monat ist die “Renate" bis in die Nacht geöffnet. Dann treffen sich Leser, Zeichner, Touristen und andere Interessierte zum Stammtisch. „Hier ist es schön gemütlich“, sagt Paul. Der 15-Jährige ist zum ersten Mal dabei. Entspannt sitzt er mit weiteren Comic-Anhängern an einem runden Tisch. Paul liest in dem Kurzgeschichtenband „Aktion Sorgenkind“ vom Berliner Zeichner Mawil. Dabei muss er immer wieder über die Dialoge lachen.

Früher habe er Micky Maus gelesen, was er jetzt aber nicht mehr so lustig finde. Begeistert deutet er auf den Comic in seiner Hand: „Für mich ist der ein Gott“, sagt er. Mit Mawils autobiografischen Geschichten können sich Jugendliche identifizieren. Er erzählt von seiner Zeit als Graffitti-Künstler nach der Wende, von verregneten Campingtrips, dem ersten eigenen Auto oder einem Trip per Anhalter zu einem Hippie-Camp.

Lorenz, der selbst zeichnet und Kurse gibt, will in seiner Bibliothek keinen Stil bevorzugen. „Wir versuchen für alles ein Beispiel zu haben“, sagt der studierte Bibliothekar. Der besondere Reiz an dem Genre gehe zum einen auf die Zeichnungen zurück. „Wenn es dann auch noch gut erzählt ist, macht es Spaß weiter zu lesen.“

Diese Leidenschaft hat auch Paul gepackt. Er komme auf jeden Fall wieder, kündigt er an. Allerdings sei er noch nicht sicher, ob er sich in der Bibliothek als Nutzer eintragen werde. „Meistens will ich die Comics auch zu Hause haben“, sagt er. „Aktion Sorgenkind“ werde er auf jeden Fall kaufen. ddp

Die "Renate" in der Tucholskystraße 32 hat montags bis mittwochs von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Am Freitag schließt sie um 19 Uhr. Samstags ist von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Donnerstags und sonntags bleibt sie geschlossen. Comics können maximal zwei Wochen ausgeliehen werden, die Nutzer zahlen neben einer einmaligen Gebühr von 1,50 Euro monatlich 2,50 Euro.  Mehr Infos unter renatecomics.de.

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