Comicserie „Monstress“ : Menschliches Monster

Steampunk trifft Jugendstil: „Monstress“ verbindet westliche Comic-Elemente mit Manga-Einflüssen. In Kürze erscheint der zweite Band auf Deutsch.

Björn Bischoff
„Du solltest keine Leute essen.“ Eine Seite aus dem besprochenen Band.
„Du solltest keine Leute essen.“ Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Cross Cult

Kein Monster sein, mehr will sie nicht. Das Problem: Maika Halbwolf trägt einen uralten Dämon in sich. Persönlichkeitsstörung und andere Differenzen mit dem eigenen Selbst sind da vorgezeichnet. Und das hat weitreichende Konsequenzen in der Comicserie „Monstress“, die derzeit bei Cross Cult auf Deutsch erscheint. Denn der Dämon hat Hunger, bemächtigt sich im Fall der Fälle ihres Körpers für die Zwischenmahlzeit und langt dafür bei den Lebewesen in unmittelbarer Umgebung zu. Happs – und ein Kind ist weg. Dazu trägt Maika schwer an ihrem eigenen Schicksal: Ihre Mutter ist tot, ihre beste Freundin Tuya scheint verschwunden, und Maika fehlt der linke Arm.

Ringen mit dem eigenen Dämon

Doch nicht nur die Heldin, auch die von der US-amerikanischen Autorin Marjorie Liu erdachte Welt von „Monstress“ trägt eine schwere Last. Die Städte erholen sich gerade von einem Krieg zwischen Menschen und Arkanen. Um für Ordnung zu sorgen, wurde eine Mauer durch die Mitte des Kontinents gezogen. Die Landschaft bevölkern sprechende Katzen, Kulte und humanoide Tierwesen wie geflügelte Wächter. All diese Elemente vermittelt die japanische Zeichnerin Sana Takeda mit detailreichen Zeichnungen: Steampunk trifft Jugendstil.

Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Sammelbandes.
Fortsetzung folgt: Das Cover des ersten Sammelbandes.Foto: Cross Cult

Maika Halbwolf passt mit ihrer Biografie gut in das US-Superhelden-Universum des 21. Jahrhunderts. Vergangenheitsbewältigung und das Ringen mit den eigenen Dämonen machen ihren Charakter aus. Auf ihrem Abenteuer begleiten sie das Fuchsjunge Kippa und Katze Ren, deren Auftritte deutlich leichter daherkommen, auch weil ihre Mimik oft Einflüsse aus dem Manga trägt. Daneben erinnert vor allem die Aufteilung der Seiten an die östliche Erzählweise des Comics. Kommt es zum Kampf, geht ein Beben durch die Bilder, Geschwindigkeit sah selten so gut in Zeichnungen aus.

Der erste Sammelband fährt erzählerisch wenig mehr auf als die Exposition der kommenden Geschichte. Doch all die verschiedenen Nebenstränge der Handlung und die Vergangenheit von Maika geben genug Material her, um den Spannungsbogen passend anzulegen. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine kurze Lektion der gelehrten Katze Professor Tam Tam über die Welt von „Monstress“ und ihre Einwohner. Im Juli soll der zweite Band auf Deutsch erscheinen.

Maika Halbwolfs Ringen mit dem eigenen Dämon im Inneren dürfte sich noch eine Weile hinziehen. Aber einen ersten Ratschlag gab es von Kippa ja bereits: „Du solltest keine Leute essen.“ Das ist immerhin ein Anfang.

Marjorie Liu und Sana Takeda: Monstress, Cross Cult, Band 1: 192 Seiten, 16,80 Euro.

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