Comicverfilmung "Guardians of the Galaxy" : Weltenretten für Anfänger

Superhelden und sexy zerstrubbelte Mittdreißiger: Der Marvel-Film „Guardians of the Galaxy“ war einer der Überraschungserfolge des vergangenen Jahres. Jetzt gibt es ihn auf DVD und Blu-ray, wir verlosen Filme und einen Comic-Band.

von
Meilenstein des aktuellen Unterhaltungskinos: Die Hauptfiguren in Heldenpose.
Meilenstein des aktuellen Unterhaltungskinos: Die Hauptfiguren in Heldenpose.Foto: Promo

Musik im Science-Fiction-Film ist eine ernste Sache. Wenn man nicht gleich, wie Stanley Kubrick in „2001: Odyssee im Weltraum“, Werke aus dem Kanon der Klassik übernimmt, werden zur Untermalung von Raumschiffschlachten oder Sternenreisen meist gravitätische Orchesterstücke komponiert und mit großer Besetzung eingespielt. Einige dieser Filmmusiken sind Klassiker geworden: John Williams’ majestätisches „Star Wars“-Thema oder Jerry Goldsmiths Scores für „Alien“ und die „Star Trek“-Kinofilme zählen zu den bekanntesten Soundtracks. Auch für die Verfilmung der Comicreihe „Guardians of the Galaxy“ gibt es eine Filmmusik, komponiert vom Actionfilm-Vertoner Tyler Bates: Genre-Dutzendware mit den heutzutage unerlässlichen Synthie-Monsterbässen - nichts, woran man sich erinnern würde.

Doch wenn man nach zwei äußerst kurzweiligen Stunden mit einem breiten Grinsen dasitzt, dann liegt das auch an der Musik. An einem gnadenlos gut gelaunten Ohrwurm wie „Hooked On A Feeling“, dem einzigen Hit der schwedischen Band Blue Swede aus dem Jahr 1973. Oder an dem Schmuseklassiker „I’m Not In Love“ von 10cc. Oder an einem Helden (Chris Pratt), der im Angesicht des sicheren Todes erst mal eine beherzte Tanz- und Gesangseinlage auf die Oberfläche eines fremden Planeten legt. Wie das zusammengeht, Science-Fiction und ironischer Musikeinsatz, Raumschiffe und 70er-Softrock, das ist, wie der gesamte Film, ein Meilenstein des aktuellen Unterhaltungskinos. Jetzt ist er nach der Kinopremiere im vergangenen August auf DVD und Blu-Ray erschienen.

Foto: Disney
Tierisch fies. Rocket Racoon.

Der Held ist ein Taugenichts

Dabei ist „Guardians of the Galaxy“ zunächst einmal „nur“ ein weiterer Ableger des überaus erfolgreichen Franchises des Marvel-Kinouniversums, einer auf zehn Filme angewachsenen Metaerzählung verknüpfter Superheldenabenteuer, die weltweit fast sieben Milliarden Dollar eingespielt haben. Doch nachdem Iron Man, Thor, Captain America und die übrigen Avengers bislang vorwiegend mit der Rettung der guten alten Erde beschäftigt waren, spielt GOTG zwar in der Gegenwart, aber in den Tiefen des Weltalls.

Wie das geht? Eine knappe Exposition verrät, dass unser Held als Kind in den achtziger Jahren von Weltraumpiraten entführt wurde. Was auch erklärt, warum er in seiner eher unmusikalischen Umwelt als sexy zerstrubbelter Mittdreißiger immer noch die sorgsam gehütete Kassette mit den Hits seiner Kindheit hört. Dieser Peter Quill ist eigentlich ein Taugenichts. Ein Gelegenheitsdieb und notorischer Frauenheld mit magnetischer Anziehungskraft für Fettnäpfchen. Ein Aufschneider, der sich großspurig als „Star-Lord“ bezeichnet (aber von niemandem sonst so genannt wird). Chris Pratt verkörpert diesen durch keine kosmische Katastrophe aus der Ruhe zu bringenden Hallodri als charmantesten Weltraumhalunken seit Han Solo. Nach kleineren Rollen in „Zero Dark Thirty“ oder „Her“ sollte dies der Durchbruch für den 35-Jährigen werden.

Zu ihm gesellen sich die nicht minder fragwürdigen übrigen Beschützer der Galaxis. Da ist Drax (Dave Bautista), ein unterbelichteter Schläger mit tragischer Familiengeschichte. Dazu Gamora (Zoe Saldana), eine grünhäutige Killerin mit tragischer Familiengeschichte. Schließlich das bizarre Kopfgeldjäger-Duo Groot und Rocket: klasse die Frechheit, mit der Bradley Cooper, in einer vor allem in den Nebenrollen mit Glenn Close oder Benicio Del Toro illustren Besetzung der aktuell größte Star, für den Part des sprechenden Waschbären Rocket gecastet wurde. Noch toller, mit welchem Furor Cooper das verbale Dauerfeuer des schießwütigen Pelzviechs eingeschimpft hat.

Nicht minder bemerkenswert ist die Bereitschaft des maulfaulen Actiondarstellers Vin Diesel, sich in der Rolle eines sprechenden Baumwesens, dessen Vokabular auf drei Worte beschränkt ist, auf die Schippe zu nehmen. Natürlich hat das unwahrscheinliche Quintett erst mal reichlich Stress miteinander und mit Heldentum berufsbedingt wenig am Hut. Doch im Angesicht der apokalyptischen Bedrohung durch einen fundamentalistischen Weltenvernichter werden sie die ihnen in die Hände gefallene Superwaffe bis zum letzten Atemzug verteidigen.

„Guardians of the Galaxy“ könnte tatsächlich der Film sein, der die auseinanderdriftenden Lager der Fans von Comicverfilmungen, Science-Fiction und Comedy versöhnt. Regisseur James Gunn gelingt vier Jahre nach seiner bösen Heldengroteske „Super“ sein Meisterstück: spannend, temporeich, fantasievoll, zum Brüllen komisch, zum Heulen schön und – keine Selbstverständlichkeit im Superheldengenre – keine Minute zu lang.

Verlosungsaktion: Wir verlosen in Zusammenarbeit mit Walt Disney Home Entertainment und Panini Comics jeweils eine DVD, eine Blu-ray und eine Blu-ray 3 D sowie einen Comicband „Die Wächter der Galaxie“. Wer eines davon gewinnen will, schreibe uns bitte eine E-Mail mit der Betreffzeile „Guardians“ an comics@tagesspiegel.de, dazu bitte die Information, welches Filmformat bevorzugt wird oder ob der Comic gewünscht wird. Namen und Adresse nicht vergessen, die Sieger werden per Post benachrichtigt. Einsendeschluss: 11. Januar 2015.


0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben