Comicverfilmung : Monster wie wir

Die jetzt erschienene DVD zum opulenten Fantasy-Actionfilm "Hellboy II - Die goldene Armee" hält auch für Fans einige Überraschungen bereit.

Film Title: Hellboy II
Die Maske, welche Maske? Hellboy (Ron Perlman) und sein Gegenspieler Prince Nuada (Luke Goss) sind nicht nur das Ergebnis von Mike...

Wer dachte, der Beruf des Puppenspielers sei ein aussterbender, wird mit dem jüngsten Hellboy-Film eines Besseren belehrt. „Hellboy II – Die Goldene Armee“ ist nicht nur eine der schönsten, fantasievollsten und unterhaltsamsten Comicverfilmungen seit langem (ausführliche Rezension unter diesem Link. ), sie ist auch ein Triumph der Puppenspieler.

Das erfährt man auf den Zugaben zur DVD-Fassung des Films, die an diesem Donnerstag veröffentlicht wurde. Wer vor ein paar Monaten „Hellboy II – Die Goldene Armee“ im Kino gesehen hat und davon ausging, dass ein Großteil der Fantasy- und Fabel-Wesen auf der Leinwand von den Computern der Tricktechniker geschaffen wurde, der hat sich gründlich geirrt.

Mindestens genau so wichtig wie die – bei manchen Comicverfilmungen zentralen - Postproduktions-Künstler am Computer sind bei diesem Film über einen Krieg zwischen unserer Welt und der mystischen Parallelwelt voller bizarrer Kreaturen all jene, die ihre Fantasie und ihr handwerkliches Können vor und während der Dreharbeiten spielen lassen und die dazu beitragen, dass die Traum- und Zauberwelten, durch die die sich der rothäutige Comic-Held mit der Klump-Faust kämpfen muss, um ein weiteres Mal den Weltuntergang abzuwenden, authentisch und im Rahmen der Geschichte glaubhaft wirken.

Film Title: Hellboy II: The Golden Army
Blockbuster-Fabel. Hellboy (Ron Perlman) beim Kampf gegen die "Goldene Armee".Fotos: Promo

Die mit Liebe zum Detail gemachten Making-of-Dokumentarsequenzen, die es in den erweiterten DVD-Paketen zum Hauptfilm dazu gibt, führen ein in die Welt der Modellbauern, Maskenbilder, Kostümdesigner und eben der Puppenspieler, die dazu beigetragen haben, dass die Visionen von Hellboy-Schöpfer Mike Mignola und Regisseur Guillermo del Toro auf so märchenhafte Weise für die Leinwand umgesetzt wurden.

Hellboy II ist, allen modernen Technologien zum Trotz, zu großen Teilen echtes, altmodisches Kunsthandwerk. In Kombination mit den natürlich ebenfalls reichlich eingesetzten hochmodernen Spezialeffekten erzeugen die handgemachten Masken, Kostüme und animierten Körper der den Film bevölkernden Fabelwesen jene einzigartige visuelle Mischung, die den Film auch nach mehrmaligem Betrachten noch zu einem Genuss macht.

In dem Zweieinhalb-Stunden-Special „In Service of the Demon“, das die aus zwei DVDs bestehende erweiterte Edition für Fans besonders empfehlenswert macht, führt das Filmteam um del Toro den Zuschauer quasi an der Hand durch die Traumwelt von Hellboy, beginnend mit den ersten Planungstreffen von Regisseur, Zeichner und Autor Mignola und der Kerntruppe des Teams - bis hin zu den abschließenden Sitzungen in den Ateliers der Post-Production-Künstler, die am Computer den Bildern den letzten Schliff geben.

Film Title: Hellboy II: The Golden Army
Kunsthandwerk. Der "Todesengel" ist eine der Kreaturen im Film, die von Puppenspielern, Modellbauern und in diesem Fall von dem...

„Del Toro ist ein großer Junge mit einer unglaublichen Vorstellungskraft“, sagt einer der Beteiligten zwischendurch. Auf dieser DVD bekommt man vor Augen geführt, wie die Visionen des Regisseurs und die des offenbar von Anfang an eingebundenen Schöpfers Mignola sich zu einer faszinierenden Mischung verbinden. „No Aliens!“, gibt der Regisseur an einem Punkt als Motto an seine Kreativtruppe aus. Sie sollen sich anstrengen, nicht schon bekannte Fantasy- oder Science-Fiction-Figuren zu kopieren, sondern eigene Kreaturen schaffen, die in der von Mignola angelegten Fantasiewelt ganz ihren eigenen Gesetzen und Regeln folgen.

Mit Erfolg: Man bekommt im Detail vorgeführt, wie die zweibeinige Kriegsechse namens Wink in wochenlanger Arbeit von Modellbauern, Puppenspielern, Kostümbildern sowie Schauspielern und dem Regisseur erschaffen wird. Ausführlich wird die Entstehung des „Todesengels“ nachvollzogen, jener Kreuzung aus Engel, Schmetterling und Knochengerippe, die in einer Schlüsselszene Hellboy das Leben rettet. Es gibt interessante Einblicke in die Kreaturen, die den unterirdischen Bazar bevölkern, einen der fantastischen Orte der Handlung. Und man erfährt, wie „Hellboy“-Darsteller Ron Perlman es sich nicht von einem Stuntman nehmen lassen wollte, auch bei den wilderen Kampfszenen zumeist selbst durch die Gegend zu wirbeln – wenn auch mit dem Hinweis darauf, wo sich sein Testament findet, falls ihm etwas zustoßen sollte.

"Guillermo bringt das menschliche Element in den Monstern heraus“, sagt einer der Mitwirkenden im Dokumentarteil zum Film. Diese DVD illustriert auf anschauliche Weise, was für ein Gewinn das für das Genre der Comicverfilmungen ist. lvt

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