Comicverfilmung : Tim und Struppi als Avatare

Im Herbst kommt Steven Spielbergs Verfilmung des Comic-Klassikers ins Kino. Ein neuer Trailer begeistert und enttäuscht die Fans.

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Am Computer animiert: Eine Szene aus dem aktuellen Trailer.
Am Computer animiert: Eine Szene aus dem aktuellen Trailer.Foto: Promo

In seinem Testament hatte Hergé verfügt, dass niemand „Tim und Struppi“ weiterführen dürfe. Deshalb blieb der letzte Band der Comic-Serie „Tim und die Alphakunst“ unvollendet. Für die Leinwand gilt das Verbot offenbar nicht. Noch kurz vor seinem Tod 1983 wollte sich Georges „Hergé“ Remi mit Steven Spielberg treffen; nach seinem Tod tauchte dann die Notiz auf: „Wenn es einen Menschen gibt, der Tim auf die Leinwand bringen kann, dann ist es dieser junge amerikanische Regisseur.“

Fast 30 Jahre lang saß Spielberg auf den Rechten an „Tim und Struppi“, und nun endlich legt der jungenhafte amerikanische Regisseur den ersten Teil einer Tim-Trilogie vor: „Das Geheimnis der Einhorn“. Die Erwartungen an diese Paarung – die bekannteste europäische Comicserie und einer der erfolgreichsten amerikanischen Filmemacher – ist verständlicherweise enorm. Bereits der Trailer, der nun im Netz zu sehen ist, begeistert und enttäuscht die Fangemeinde - hier kann man ihn sehen.

Spielbergs Begeisterung für die Abenteuer des rasenden Reporters steht außer Zweifel. Bereits für den letzten Teil seiner „Indiana-Jones“-Serie hatte er auf Motive aus Hergés Werk zurückgegriffen. Und erst heute, erklärt Spielberg sein langes Zögern, existiere eine Technik, die die Abenteuer von Tim, Struppi, Haddock und Professor Bienlein angemessen und authentisch verfilmen lässt: die „motion capture“, die schon bei James Camerons „Avatar“ zum Einsatz kam. Dabei werden Schauspieler gefilmt und deren Bewegungsabläufe und Körper später digitalisiert.

So spielt der englische Schauspieler Jamie Bell zwar Tim, sieht aber aus wie animiert. Das gibt den Figuren zwar einen etwas leblosen Gesichtsausdruck, der aber durchaus Erinnerung an die zweidimensionalen Originalzeichnungen weckt. Spielberg schafft im Film ein „zeitloses Europa“, ohne Handys, Fernseher und moderne Autos – auch das eine Verbeugung vor dem originalen Tim-Universum.

Das „Geheimnis der Einhorn“ ist eine 135 Millionen Dollar teure Zusammenarbeit Spielbergs mit Peter Jackson, dem Verfilmer von Tolkiens „Herr der Ringe“. Ob die Comic-Ikone bei den beiden in guten Händen ist, wird sich Ende Oktober zeigen, wenn der Film in Deutschland ins Kino kommt. Dass zeitgleich zum Filmstart ein Tim-Videospiel auf den Markt kommt, hätte Hergé jedoch vermutlich testamentarisch untersagt.

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