Comicverfilmung : Von den Toten auferstanden

Frank Millers „The Spirit“ ist eine der umstrittensten Comicverfilmungen der vergangenen Jahre. Wieso, lässt sich jetzt auch via DVD nachempfinden.

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Spieltrieb. Samuel L. Jackson, der den Gegenspieler des Spirit verkörpert, hatte bei den Dreharbeiten viel Spaß, wie er in...Foto: promo

Er fühlte sich bei den Dreharbeiten zu „Sin City“ wie ein Kind im Bonbongeschäft, erzählt Frank Miller in einem der Interviews, die es als Beigabe zur DVD von „The Spirit“ gibt: All die technischen Möglichkeiten, die computeranimierten Kulissen, die unbegrenzten technischen Spielereien: Das habe ihm als Regisseur unglaubliche visuelle Möglichkeiten beschert – aber auch das Risiko, sich in diesen Effekten zu verlieren.

Das Ergebnis dieser künstlerisch brisanten Mischung lässt sich jetzt, ein gutes halbes Jahr nach der Kinopremiere, noch einmal auf der „Spirit“-DVD anschauen, die dieser Tage in den Handel kommt.

Auch bei einer zweiten Betrachtung zeigt sich: Das düster-komische Kostümdrama um den untoten Gangsterjäger mit der Maske und seine fantastischen Gegenspieler hat nach wie vor sehr ambivalentes Potenzial: Amüsierwillige, mit Oberflächenreizen zufriedene Zuschauer können sich über völlig überzeichnete Charaktere und teilweise fantastische, hyperstilisierte Effekte freuen - anspruchsvollere Betrachter dürften sich aber auch bei der zweiten Begegnung mit diesem Werk durch Millers zweifellos eindimensionale Charaktere und seine krude Mischung aus nicht zusammenpassenden dramaturgischen und optischen Versatzstücken abgestoßen fühlen. 

"Ich habe mich von meinem Schwanz leiten lassen"

Es hängt auch davon ab, wie man sich ihm nähert. Vielleicht hilft es, sich zum Justieren der eigenen Erwartungshaltung vor dem Film die Making-of-Beiträge anzugucken, die als Extras mit dem Film kommen.

„Ich habe mich in meiner Laufbahn immer von meinem Schwanz leiten lassen“, sagt Frank Miller da zu Anfang in einem Interview über den Dächern Manhattans.

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Das ist, wie oft bei Miller, ein berechnend provokativer und pubertärer Spruch mit einem wahren Kern. Er gibt eine Vorstellung davon, wie ernst man die dramaturgischen Bemühungen des Mannes nehmen sollte, der – wie sein Vorbild, „Spirit“-Schöpfer Will Eisner - zu Recht bis heute als Comic-Pionier und Wegbereiter der Graphic Novel gefeiert wird, aber als Regisseur eben nur ein Berufsanfänger ist.

Dass Miller es dann mit seiner Annäherung an die klassische Vorlage doch ein bisschen ernster meint als die Anfangsbemerkung nahe legt, zeigt sich bei den auf der DVD versammelten durchaus interessanten Gedanken über seine eigene Comic-Sozialisiation und über die Bedeutung von Eisners "Spirit"-Bänden, denen er als Jugendlicher verfiel - und dessen Spätwerk ihn als Erwachsener zu Meisterwerken wie "Ronin" inspirierte.

Leider bleibt das Vergnügen, mit Miller durch die Comicgeschichte zu spazieren, sehr oberflächlich: Nach gerade mal 35 Minuten sind die beiden Dokumentationen auf der DVD vorbei (wer mehr wissen will, dem sei das Dialogbuch "Eisner/Miller" sehr empfohlen, in dem die beiden über ihre unterschiedlichen Ansichten zum Thema Comics diskutieren - gibt's ab 12 Euro bei Amazon).

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