Comicverfilmungen : Als Asterix laufen lernte

Zum bevorstehenden 50. Jahrestag gibt es jetzt eine neue Edition mit sieben Zeichentrickabenteuern der schlagkräftigen Gallier: Eine Augenweide für Freunde des traditionellen Trickfilms - und ein Beleg für den unerreichten Witz der Comic-Vorlage

Andreas Conrad
285183_0_bd39c1d1.jpg
Schlagende Argumente. Eine Szene aus dem Film "Asterix - Sieg über Cäsar" von 1985.Bild: Promo

Wie lange dauert ein Geniestreich? Das mag individuell verschieden sein, René Goscinny, begnadeter Autor der Asterix-Bände, gab sich selbstkritisch nur eine Spanne von wenigen Momenten. Die Leser finden ihn komisch? Da habe er immer das Gefühl eines Missverständnisses. „Aber von Zeit zu Zeit finden Sie eine tolle Sache, dann denken Sie: Es ist nicht schlecht, ich bin der tollste Mensch der Welt.“ Allerdings: „Es dauert vier Sekunden an, höchstens fünf.“

Vor rund 50 Jahren quälte sich Goscinny das erste Mal mit dem schnauzbärtigen Asterix und seinem gewichtigen Freund Obelix ab, ein wie stets bei ihm, so wird berichtet, von heftigen Selbstzweifeln begleiteter Prozess, bis das Stöhnen und Lamentieren des sich quälenden Autors plötzlich vom Tack, Tack, Tack seiner Schreibmaschine abgelöst wurde, und keineswegs nur für fünf Sekunden.

Am 29. Oktober ist es genau 50 Jahre her, dass das ungleiche Gallierpaar zum ersten Mal öffentlich auftrat, statt in einem Einzelband noch in der damals neuen französischen Jugendzeitschrift „Pilote“, aber bereits als Gemeinschaftswerk des Texters Goscinny und des Zeichners Albert Uderzo.

Eine ironische Alternative zu amerikanischen Fantasieheroen

Der Geburtstag, der vom Verlag Egmont-Ehapa mit einem großen Jubiläumsband, einer Sammlung von zwölf Kurzgeschichten, gefeiert werden soll, wirft bereits jetzt seine kunterbunten und beweglichen Schatten voraus:

285185_0_a2ca9add.jpg
Erfreulich altmodisch. Die Asterix-Zeichentrickfilme - hier eine Szene aus "Asterix und Cleopatra" von 1968 - verleugnen nie die...Bild: Promo

Der Verleih Kinowelt wirft an diesem Freitag seine „Asterix Jubiläumsedition“ auf den Markt, in deren Mittelpunkt die ersten sieben Zeichentrickfilme mit Asterix & Co. stehen, teilweise erstmals im Originalkinoformat.

Dies sind „Asterix, der Gallier“ (1967), „Asterix und Cleopatra“ (1968), „Asterix erobert Rom“ (1975), „Asterix – Sieg über Cäsar“ (1985), „Asterix bei den Briten“ (1986), „Asterix – Operation Hinkelstein“ (1989) und „Asterix in Amerika“ (1994). Lediglich „Asterix und die Wikinger“ (2006) fehlt in diesem Trickfilm-Schuber. Außerdem gibt es drei Filme mit Schauspielern.

Vor 42 Jahren also schaffte der gallische Superheld, schon durch die bescheidene Körpergröße und seinen Witz eine ironische Alternative zu den amerikanischen Fantasieheroen, den Sprung auf die Leinwand und erkämpfte sich dort ein dauerndes Bleiberecht, übrigens nur fünf Jahre nach dem beharrlichsten Filmhelden, dem Geheimagenten James Bond.

Auch eine sächsische Version gibt es - und eine auf „Schwörerdeutsch“

Die Jubiläumsedition ist eine Wiederbegegnung mit dem – neben Bud Spencer und Terence Hill – schlagkräftigsten Freundespaar der Filmgeschichte, samt Römern und Hinkelsteinen, die wahlweise durch den Himmel sausen, samt rituellen Ausrufen – von „Beim Teutates!“ bis zu „Die spinnen, die Römer!“ – oder auch genial-dämlichen Dialogen („Dafür schicken wir alle Gallier auf die Galonen.“ – „Es heißt Galeeren!“).

285186_3_AsterixGallier_002-1.jpg
Überraschung. Der erste Zeichentrickfilm "Asterix der Gallier" entstand 1967 ohne das Zutun seiner Schöpfer.Bild: Promo

Zugleich ist die Edition eine Augenweide für die Freunde der Kunst des traditionellen Zeichentrickfilms, verleugnen die sieben Filme bei aller Verfeinerung im Laufe der Jahrzehnte doch nie die Herkunft vom Comic, sind in der Flächigkeit der Zeichnungen von dem modernen, die Wirklichkeit mehr und mehr imitierenden Animationsfilm meilenweit entfernt, gegenüber dem die „Asterix“-Filme erfreulich altmodisch wirken.

Es gibt sie auf den DVDs natürlich mehrsprachig, auch ausgefallene Versionen in Sächsisch oder gar im „Schwörerdeutsch“ mit Stefan & Erkan sind darunter. Dazu gibt es zahlreiche Extras, ein sehr überflüssiges „Making of“-Filmchen mit dem genannten Comedian-Duo etwa, aber auch Hochinteressantes wie Dokumentationen über Goscinny, der bis zu seinem Tod 1977 Asterix und seine Freunde aufs Papier zauberte, oder Uderzo, der, wie man auch zu sehen bekommt, vor seinem gallischen Landhaus selbstverständlich einen Hinkelstein zu stehen hat.

„Als Autor fühlt man sich vom Film verraten"

Zu Filmhelden wurden Asterix und Obelix übrigens, wie Uderzo erzählt, ohne das Zutun ihrer Väter.

285098_0_7d98080c.jpg

Der Verleger der Bände habe ohne ihr Wissen einen Film in Auftrag gegeben und ihnen erst das fertige Produkt präsentiert, das zudem nur fürs Fernsehen, in Episoden gesendet, gedacht war. Als „Asterix, der Gallier“ kam das im billigeren TV-Standard hergestellte Werk dann doch ins Kino – und wurde ein Riesenerfolg.

Trotzdem bleibt Uderzos Verhältnis zum Film eher reserviert: „Als Autor fühlt man sich vom Film immer ein wenig verraten“, sagt er. Die Gags aus dem Album funktionierten im Kino nicht notwendigerweise. Als Autor passe er sich der Lesegeschwindigkeit der Leser an, und bei mehrdeutigen Gags könne dieser immer noch mal zurückblättern. Beim Film gehe das nicht, das sei „der ganze, aber sehr erhebliche Unterschied zwischen Comic und Kino“. Manche Gags ließen sich einfach nicht in den Film übertragen, der ein eigenes Medium sei, eine eigene Kunst.

Da hat er wohl Recht, den Witz der Bücher erreichten die Filme ohnehin selten. Gleichwohl wird man angesichts des lang anhaltenden Erfolges der Asterix-Trickfilme nicht bezweifeln können, dass sich viele Kinogänger dabei köstlich amüsiert haben.

Die Asterix-Jubiläumsedition mit sieben DVDs erscheint bei
Kinowelt und kostet 29,95 Euro.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 8. Juli 2009)


Hinweis: Unsere Verlosung ist beendet, die Gewinner wurden per Post benachrichtigt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben