Comicverfilmungen : Superhelden von morgen

In diesem Jahr gibt es mehr Comicverfilmungen als je zuvor. Besonders sehnsüchtig erwarten Fans den am Donnerstag startenden „Watchmen“. Aber das ist nur der Anfang.

Lars von Törne
260859_0_b4084ff5.jpg Fotos: Promo
Originalgetreu. Zack Snyders "Watchmen"-Verfilmung hält sich sehr eng an die Vorlage von Alan Moore und Dave Gibbons.Fotos: Promo

Normalerweise bereiten sich Filmschauspieler auf ihre nächste Rolle vor, indem sie das Drehbuch lesen. Als Jeffrey Dean Morgan („Grey’s Anatomy“) damit begann, sich in die Rolle des maskierten Killers namens „Comedian“ in dem Film „Watchmen“ einzuarbeiten, fand der Hollywood-Star in der Post ein Päckchen, das ihm sein Regisseur Zack Snyder („300“) geschickt hatte. Es enthielt das Comic-Buch „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons, auf dem der gleichnamige Film basiert, der am kommenden Donnerstag auch in Deutschland anläuft. „Zack sagte uns Schauspielern, wir sollten den Comic lesen, bevor wir mit der Arbeit am Film anfangen“, erinnert sich Morgan, der kürzlich in Deutschland war, um für „Watchmen“ zu werben. „Erst danach schickte er uns das Drehbuch zu.“

Die Episode illustriert einen Trend in Hollywood, der in diesem Jahr so deutlich zu sehen ist wie nie zuvor. Immer öfter greifen Regisseure und Filmstudios auf Comics zurück. Ganze 70 neue Comicverfilmungen zählte kürzlich das Fachblatt „Total Film“, die entweder in diesem Jahr in die Kinos kommen oder an denen die Studios derzeit arbeiten. Somit entspricht alleine die Ausbeute dieses Jahres einem Drittel aller Comicverfilmungen der bisherigen Filmgeschichte: Einschlägige Fan-Listen im Internet zählen bislang rund 200 Spielfilme, die auf Comics basieren, darunter Superhelden-Geschichten wie die Abenteuer von Spider-Man oder Batman, aber zunehmend auch Geschichten, in denen es um realistischere Figuren geht wie „Ghost World“ oder „American Splendor“.

Ein Comic als Vorlage - für die Schauspieler Fluch und Segen zugleich

Die Premiere von „Watchmen“ erwarten viele Comic-Fans mit besonderer Spannung. Das fast 400 Seiten starke, vielschichtige Drama um eine alternde Superheldengruppe, die durch eine Mordserie in den eigenen Reihen aufgerüttelt wird, gilt nicht nur in Comic-Kreisen als zeitloses Meisterwerk.

Photocall "Watchmen - Die Waechter" Foto: Lennart Preiss (ddp)
Helden in Zivil: Die Hauptrollen in "Watchmen" spielen Jackie Earle Haley (v.l.), Jeffrey Dean Morgan, Billy Crudup, Malin Akerman...Foto: Lennart Preiss (ddp)

Das „Time“-Magazin zählte das 1986 erstmals veröffentlichte Comic-Epos zu den besten 100 Romanen aller Zeiten. Für die Schauspieler war es ein Segen und ein Fluch zugleich, einen Comic als Vorlage zu haben, sagt Billy Crudup („The Good Shepherd“), der in „Watchmen“ den durch einen Unfall mit Superkräften ausgestatteten Wissenschaftler Dr. Manhattan spielt: „Das Buch wurde beim Dreh zu meinem besten Freund und zu meinem ärgsten Feind. Denn einerseits ist es fantastisch, wenn Du als Schauspieler für jede Szene eine exakte visuelle Vorgabe hast, andererseits ist dadurch schon alles vorgezeichnet und Du hast kaum Spielraum, um Dir Deinen Charakter selbst zu erarbeiten.“

Neben „Watchmen“ und dem bereits seit Anfang Februar im Kino laufenden „The Spirit“ (mit Scarlett Johansson und Eva Mendes) drängen schon bald weitere Comicverfilmungen in die Kinos, von denen sich manche mit prominenten Schauspielern schmücken dürfen. Anfang April wird die Realverfilmung des vor allem bei Jugendlichen enorm populären Manga-Comics „Dragonball“ zu sehen sein, in der Hauptrolle Nachwuchsschauspieler Justin Chatwin („Krieg der Welten“). Ende April soll „Wolverine“ folgen, in dem Hollywod-Star Hugh Jackmann erneut in die Rolle schlüpft, mit der er der Comic-Reihe „X-Men“ mehrfach zum Erfolg verholfen hat. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll die ironisch gebrochene Superhelden-Geschichte "Kick-Ass" ins Kino kommen, die auf einer bislang unvollendeten Comic-Serie basiert. Eine der Hauptrollen spielt der bekennende Comic-Fan Nicolas Cage.

Weitere Projekte locken mit mindestens ebenso prominenten Namen: So soll Teenie-Star Shia LaBeouf die Hauptrolle in „Y: The Last Man“ spielen, der für 2010 angekündigten Verfilmung der gleichnamigen Comic-Serie, in der es um die Odyssee des letzten Mannes auf Erden nach einer verheerenden Seuche geht. Bruce Willis ist im Gespräch als Hauptdarsteller in der Verfilmung des Science-Fiction-Krimi-Comics „Surrogates“. Kate Beckinsale wird die Hauptrolle in dem in der Antarktis angesiedelten Agenten-Thriller „Whiteout“ spielen, der auf der gleichnamigen Comicserie basiert.

Photocall "Watchmen - Die Waechter" Foto: Lennart Preiss (ddp)
Der Regisseur: Zack Snyder bei seinem Deutschlandbesuch Ende Februar.Foto: Lennart Preiss (ddp)

Tom Cruise soll in der Comicverfilmung „Sleeper“ einen mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Geheimagenten spielen. Leonardo DiCaprio ist als Gang-Anführer in der Realverfimung des Manga- und Zeichentrick-Klassikers „Akira“ im Gespräch. Und die Sängerin und Schauspielerin Beyoncé Knowles hat kürzlich ihr Interesse daran bekundet, in einer seit langem geplanten Klassiker-Verfilmung die Superhelden-Amazone „Wonder Woman“ zu verkörpern. Außerdem sind Fortsetzungen von bereits erfolgreich eingeführten Titeln wie „Spider-Man“, „Iron Man“ und „Sin City“ geplant.

Nicht immer geht die Rechnung der Studiobosse auf

Wieso Hollywood zunehmend auf die bunten Bildgeschichten zurückgreift? Zum einen ist die Film- und Tricktechnik heute so weit fortgeschritten, dass einst nur in Worten und Zeichnungen darstellbare Fantasie- und Actionszenen inzwischen mühelos auch auf die Leinwand übertragbar sind. Vor allem aber ist in Hollywood eine Generation von Regisseuren und Produzenten nachgewachsen, die mit Comics großgeworden ist und die erkennt, dass es kaum bessere – und günstigere – Testmöglichkeiten für potenzielle Kino-Stoffe gibt.

„Wenn Du ein Comicbuch schaffst, arbeitest Du alleine“, erklärte Autor, Zeichner und Regisseur Frank Miller („Sin City“, „The Spirit“) kürzlich in einem Interview mit dem Tagesspiegel diesen Trend. „Das kostet nur ein paar tausend Dollar. Du kannst also tun, was Du willst. Wenn Du aber mit einem Film startest, und es geht um 50 Millionen Dollar, dann sind viele Leute sehr nervös, ob sich die Investition lohnt.“ Sobald die Studios sehen, dass ein Comic ankommt, greifen sie zu. „Sie merken: Das ist ein großartiger Stoff, der funktioniert.“

Miller selbst ist allerdings das beste Beispiel dafür, dass sich die Studios arg verschätzen können. Seine Anfang Februar in den deutschen Kinos angelaufene Verfilmung des Comic-Klassikers „The Spirit" gilt künstlerisch und finanziell schon jetzt als einer der größten Flops des Jahres. Nach vernichtenden Kritiken und schlechten Einspielergebnissen stoppte der Sony-Konzern deswegen kurzerhand die weitere Verbreitung: Der Kinostart in Österreich wurde abgesagt, dort müssen die Fans jetzt darauf warten, dass das düstere Krimi-Spektakel auf DVD erscheint.

Mehr zum Film findet man auch unter 
www.watchmen-film.de.

0 Kommentare

Neuester Kommentar